Meine Klamotten — na und?

Klam­ot­ten kauft man nicht mehr, man holt sie sich. Nichts drückt die Über­legen­heit und Arro­ganz deutscher Consumer-Kids besser aus, als ihre Klei­dungsstücke bere­its vor dem Kauf als prak­tisch wert­los zu charak­ter­isieren, keinen Gedanken darauf zu ver­schwen­den, unter welchen Umstän­den diese Klei­dung hergestellt wird. Nur 2–3 Euro­cent im Verkauf mehr, wür­den — wenn sie denn der Näherin in Bangladesh in vollem Umfang zugute kämen — dieser Näherin ein auskömm­liches Leben ermöglichen. Doch die inter­na­tionalen Einkäufer der Mode– und Kaufhaus­ket­ten suchen immer den gün­stig­sten Preis — natür­lich im Auf­trag des Kon­sumenten zu Hause, wie vorgegeben wird.

Und dem Ver­braucher ist es egal. Haupt­sache bil­lig. Geiz ist geil-Mentalität, sie lebe hoch. Warum sollte ein Teenager in Deutsch­land über die Pro­duk­tions­be­din­gun­gen seiner Klam­ot­ten nach­denken? LK

Ja, warum wohl?

Die Zukunft der industriellen Vergangenheit?

In Europa haben noch vor weni­gen Jahren und Jahrzehn­ten Mil­lio­nen Men­schen in arbeitsin­ten­siven Indus­triezweigen gear­beitet. Dazu gehörte auch die Tex­tilin­dus­trie, in der seit Anfang der 1970er Jahre der Arbeit­skräfte­ab­bau beson­ders augen­fäl­lig war. Der Elek­troin­dus­trie ging es wenige Jahre später nicht anders (Fernse­hap­pa­rate, Waschmaschi­nen).  Aber auch in Indus­trien, die nicht so sehr im Focus der Öffentlichkeit ste­hen, wur­den Pro­duk­tio­nen in Län­der ver­lagert, wo Niedrigstlöhne, niedrige oder gar keine Umwelt­stan­dards zum All­tag gehören und Arbeit­nehmer– wie Men­schen­rechte ignori­ert werden.

Dage­gen gibt es in Deutsch­land und Europa immer mehr Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse, in denen gerin­gere Löhne gezahlt wer­den als z.B. in der Tex­tilin­dus­trie in Deutsch­land noch vor 15 Jahren. Aus Län­dern der EU wird von Arbeit­slosigkeit unter jun­gen Men­schen berichtet, die bei 40 % liegt. Beson­ders prekär ist die Sit­u­a­tion in Nordafrika. Einer jun­gen, gut aus­ge­bilde­ten und fleißi­gen Bevölkerung fehlt die Arbeit und damit die Lebensper­spek­tive. Macht das Sinn? Für wen? Wäre es sin­nvoll, aus­ge­lagerte Indus­trien nach Deutsch­land und Europa zurück­zu­holen? Europa zu rein­dus­tri­al­isieren? LK

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