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Anonym 1844

Schlesisch Weberlied

 

O Schiffchen, fliege hin und her,

Und spute dich nur immer mehr!

Ich muß noch heut zu Ende weben,

Sonst hab ich morgen nichts zu leben!

 

Sobald der frühe Morgen graut,

Noch eh die Sonn ins Fenster schaut,

Verlass ich meine Lagerstätte

Und web, als webt ich um die Wette.

 

Bereits die gold'ne Sonne sinkt,

Der Abendstern am Himmel blinkt;

Am Webstuhl muß ich spät noch kleben,

Sonst hab ich morgen nichts zu leben!

 

O Herr, der Du den Raben nährst,

Ein fröhlich Dasein ihm gewährst,

O laß den Weber nicht verderben,

Den Menschen nicht vor Hunger sterben.

 

Zum Kaufmann trag ich morgen hin

Die Arbeit: Gib ihm milden Sinn!

Laß ihn den sauern Lohn mir geben,

Sonst hab ich morgen nichts zu leben!

 

Die Kinder schrein zu mir um Brot:

Errette sie aus Hungersnot!

Allgüt'ger Gott, o hab Erbarmen,

Laß nicht verhungern mir die Armen!

 

Sonst hab ich morgen nichts zu leben?

 

O Schiffchen, fliege hin und her,

Und spute dich nur immer mehr!

Ich muß noch heut zu Ende weben,

Sonst hab ich morgen nichts zu leben!