Lutz Kroneberg
Zur Geschichte der Textilindustrie in Deutschland
Aus kleinen Anfängen zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden in wenigen Jahrzehnten Großbetriebe und Industrieimperien. Die Textilindustrie muss sich bereits in ihren Anfängen rasanten technischen und wirtschaftlichen Veränderungen des Weltmarktes stellen.
Christian Gottlob Dierig, 1781 - 1848
Diese Homepage unternimmt eine Zeitreise durch die Geschichte der Textilindustrie in Deutschland, Europa und der Welt. Aus kleinen Anfängen beginnen um 1800 rührige Unternehmer, Handelshäuser für Gewebe zu entwickeln. In Schlesien gehören dazu Unternehmerfamilien wie Hilbert und Andretzky, Wagenknecht, Zwanziger, Kramsta und Dierig. Einige von ihnen entwickeln sich zu großen Textilunternehmen, wie z.B. Kramsta und Dierig, Zwanziger besteht immerhin bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Dierig kann sich Ende der Zwanziger Jahre als größtes Textilunternehmen Europas mit ca. 15.000 Beschäftigten bezeichnen. Nach dem Verlust der schlesischen und ostdeutschen Produktionsanlagen gelingt Dierig in der Bundesrepublik ein rasanter Wiederaufbau mit Produktionsstätten im Allgäu, in Bocholt und Rheine. Die Zentrale des Unternehmens ist nun in Augsburg. 1972 wirbt Dierig zu den Olympischen Spielen mit dem Slogan "Dierig zieht die Welt an".
Seit 1945 leitet die Familie das Textilimperium von Augsburg aus. Langenbielau wurde zu Bielawa, Peterswaldau zu Pieszyce. In der sechsten Generation ist das Unternehmen weiterhin am Markt tätig, allerdings nicht mehr als Produzent, sondern - wie zu den Anfängen - als Handelshaus für Textilien. Allein durch die Dauer seiner Marktpräsenz, durch seine zeitweise sehr starke Stellung , aber auch durch ein besonderes Gefühl für das Weben und für die Stoffe, und nicht zuletzt auch für die sozialen Belange der Arbeiter und Angestellten, gehört die Familie Dierig zu den großen Unternehmerdynastien in Deutschland. Dem kann auch nichts anhaben, dass Gerhart Hauptmann in seinem Drama "Die Weber. Schauspiel aus den vierziger Jahren" 1892 das Handelshaus Dierig mehr oder weniger klausuliert auftreten lässt. Der Naturalist Hauptmann recherchierte zwar fleißig für sein Drama, reiste auch in die schlesischen Weberregionen, sah dort aber nur, was ihm für sein Drama zu passen schien. die rasante Entwicklung von der Hausweberei hin zu einer Textilindustrie - in Langenbielau um 1890 augenfällig - interessierte ihn nicht.
Die Entwicklung der Textilindustrie von ihren frühen Anfängen bis zu ihrem Ende kann heute immer noch anschaulich in Bielawa und Pieszyce beobachtet werden. Wichtige Stationen der Weber-Revolte 1844 können heute in überraschender Authentizität nachvollzogen werden, die prächtigen Villen der Fabrikanten und Unternehmerfamilien sind zahlreich erhalten, teils renoviert und neuen Nutzungen, z.B. als Hotel, zugeführt. Die Textilfabriken, die ab etwa 1860 entstanden und später als einzelne Anlage bis zu 6.000 Menschen Arbeit gaben, sind heute als nicht minder beeindruckende Industrie-Denkmale zu besichtigen, in denen nur in ganz geringem Maß oder nicht mehr produziert wird.
Für Deutschland und Polen bietet das Thema die Möglichkeit, einen wichtigen Abschnitt gemeinsamer Geschichte gemeinsam zu erarbeiten und zu bewahren.

Textilwerk Bielbaw in Bielawa, vormals Dierig´sche Textilwerke, Foto 3/2008, Lutz Kroneberg
google1c4a615d4d2545ef.html
<script type="text/javascript">
var _gaq = _gaq || [];
_gaq.push(['_setAccount', 'UA-24954906-1']);
_gaq.push(['_trackPageview']);
(function() {
var ga = document.createElement('script'); ga.type = 'text/javascript'; ga.async = true;
ga.src = ('https:' == document.location.protocol ? 'https://ssl' : 'http://www') + '.google-analytics.com/ga.js';
var s = document.getElementsByTagName('script')[0]; s.parentNode.insertBefore(ga, s);
})();
</script>