In einfachen, aber um so wirkungsvolleren Worten formulieren Goethe, Börne und Bettina von Arnim ihre Beobachtungen einer neuen sozialen Realität zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Des Maschinenwesens und der Armut.
JOHANN WOLFGANG GOETHE
Wilhelm Meisters Wanderjahre, Leonardos Tagebuch, 1820/21

Die Alten dagegen hielten gar mancherlei Fragen bereit; vom Krieg wollte jedermann wissen, der glücklicherweise sehr entfernt geführt wurde und auch näher solchen Gegenden kaum gefährlich gewesen wäre. Sie freuten sich jedoch des Friedens, obgleich in Sorge wegen einer andern drohenden Gefahr; denn es war nicht zu leugnen, das Maschinenwesen vermehre sich immer im Lande und bedrohe die arbeitsamen Hände nach und nach mit Untätigkeit.

BETTINA VON ARNIM
Dies Buch gehört dem König, 1843

Ich ging in den finstern Hausgängen auf und ab, horchte an den Türen, und wo ich weben hörte, trat ich ein. In Nr. 18 traf ich zwei Weber, die machten 5/4 Elle breite dicke Leinwand. Jeder webt täglich 6 bis 7 Ellen und bezieht von der Elle 1 Sgr. Arbeitslohn; dagegen hat er wöchentlich 10 Sgr. für die Einschlagespulen und 5 Sgr. für Schlichte auszugeben. In einem Monat werden also 4 Tlr. rein verdient. Nach Abzug der Miete bleiben noch 2 Tlr. für Nahrung, Kleidung und Holz zu verwenden. -
Einen Arbeiter sah ich, dem ist die Frau gestorben. Er kann keinen eigenen Haushalt führen, dient als Weberknecht, erhält von der Elle 8 Pf., und hat sür sich und die Kinder das Tischgeld zu bestreiten. Diese Leute wären recht wohl zufrieden, wenn es ihnen nur nicht bisweilen wochenlang an Arbeit fehlte.
Bettina verwendet Schilderungen des jungen Schweizer Lehrers Heinrich Grunholzers, welche dieser im Vogtland, der Armenkolonie vor den Toren Berlins, gemacht hat.
Es ist wahr, der Krieg der Armen gegen die Reichen hat begonnen, und wehe jenen Staatsmännern, die zu dumm oder zu schlecht sind, zu begreifen, daß man nicht gegen die Armen, sondern gegen die Armut zu Felde ziehen müsse.
Brief aus Paris vom 1. Dezember 1831, mit Bezug auf die Weberunruhen in Lyon
LUDWIG BÖRNE