Eine kommentierfreudige Presse widmet schon Anfang 1844 ihre Aufmerksamkeit einer sozialen Erscheinung: Der Massenarmut unter den Webern und Spinnern. Das Phänomen ist neu: Trotz angestrengter Arbeit bleibt den Spinnern und Webern kaum das Nötigste zum Leben. Doch nicht allen geht es so. Den Baumwollwebern geht es besser, weil baumwollene Stoffe eine Innovation darstellen und vom Markt bevorzugt werden. Einige wenige Textilhandelshäuser wissen, dass in England Spinn- und Webmaschinen entstehen. Auf nicht immer legalem Weg wird die technische Innovation nach Deutschland geholt. Es wird aber fast 20 Jahre dauern, bis sich die neue Technik in Deutschland durchsetzt. Leinenweber sind 1844 besonders schlecht dran. In den Textilfabriken entstehen ab 1850 Tausende von Arbeitsplätzen. Das Weber-Dorf Langenbielau wird zu einem Zentrum der deutschen Textilindustrie.
Privilegirte Schlesische Zeitung
Nr. 2 3. Januar 1844
Die Not im Riesengebirge
Nach dem, was bis jetzt über den Notstand der armen Gebirgsbewohner veröffentlicht worden ist, wird wohl niemand der Meinung sein, daß die Lage der Bedrängten allmählich von selbst wieder besser werden würde; niemand der Meinung, man müsse die Hungernden zur Geduld anmahnen, es werde wieder anders werden. Denn wo auf der einen Seite kein Erwerb ist und auf der andern jede Stunde ein Bedürfnis unabweisbar auf Befriedigung dringt, da wären Vorlesungen zur Geduld gewiß nicht am Orte. Ein hungriger Magen hat für alle Tröstungen, insofern sie nicht materieller Natur sind, sehr dicke Ohren. [. . .] Viele Grundherrschaften wirken zur Linderung der Not in ihren Gemeinden auf das menschenfreundlichste; allein, was auch geschieht, es reicht kaum hin, die Not für einen gegenwärtigen Augenblick zurückzudrängen. [. . .] Wenn man erwägt, daß diese Leute zum Teil gar nichts, zum Teil wöchentlich nur ein paar Silbergroschen verdienen können, so ist für sie, wie gering auch die Gabe sein mag, die der einzelne erhält, die Beteilung doch eine große Wohltat. Allein — wir müssen immer wieder hinzufügen —, es ist eine vorübergehende Hilfe und darum durchaus nicht ausreichend. [. . .] Das einzige, die Krankheit gründlich heilende Rezept ist: Gebt den Leuten Arbeit! [. . .] Es ist eine alte bekannte, freilich in unseren Tagen mehr denn sonst übersehene Wahrheit, daß sich in der Geschichte einmal beseitigte, überwundene oder abgelebte Zustände, Erscheinungen, Tatsachen etc. nicht wiederherstellen lassen. Es ist viel leichter, wie alle Geschäftsleute wissen, ein neues Geschäft zu gründen, als ein gesunkenes wieder in Flor zu bringen. Wenn man diese Wahrheit auf gesunkene Nahrungszweige anwendet, so kann man im voraus wissen, welchen Erfolg die Bemühungen haben werden. Darüber sind alle Sachverständigen bei uns im klaren, daß die Wiederherstellung der früheren Industrie zu den Unmöglichkeiten gehört, auch wenn man Spinnschulen anlegte. Entweder würde man dort das Spinnen lehren, wie es weiland Karls des Großen Gemahlin mit ihren Töchtern oder noch früher der Held Herkules in seiner Dienstbarkeit getrieben, oder mit verbesserten Spinnrädern, also doch wieder Maschinen, bloß unvollkommner. Ich bestreite nicht, daß man in einer Provinz, vielleicht gar in einem Staate, die Handspinnerei in der bezeichneten Weise fördern und die Maschinen stehenlassen könnte; allein, ob sich die ganze Welt von der Richtigkeit dieser Ansicht überzeugen und so alle Maschinen überall zum Stillstand gebracht würden, kann ich bis jetzt noch nicht glauben. Insofern das aber nicht geschähe, würde der partielle Versuch gar nichts helfen. Mithin wird dieser Plan wohl seinen Zweck verfehlen. Die Maschinen sind da, sind ein Produkt der fortgeschrittenen Zeit, ein Ergebnis der gesamten Völkerkultur und Volksindustrie und werden so wenig von neuen Handspinnschulen überwunden werden, wie die Reformation durch neue Klöster. Wenn hundert Handspinner die ganze Woche nicht so viel zu produzieren imstande sind als eine Maschine in einem Tage oder in einer Stunde, wäre es da nicht Torheit, hundert Menschenkräfte einer Tätigkeit zuzuwenden, die ebensogut durch Kräfte der Natur, durch mechanische besorgt werden kann? Der Grundsatz, alles durch Maschinenkräfte besorgen zu lassen, was durch sie besorgt werden kann, und dann die Menschenkraft, die edle, für solche Geschäfte zu verwenden, wohin keine Maschinenkraft reicht, ist ein durchaus humaner. Die Maschinen sind Mittel in der Hand Gottes zur Erlösung der Menschheit, dazu, das Bewußtsein ihrer Würde zu wecken und sie stets daran zu erinnern, daß sie die Statthalter Gottes auf der Erde sind. Wenn jetzt in Fabriken diesem Grundsatz nicht gemäß verfahren wird, wenn man sogar die Jugend knechten und entwürdigen sieht, so ist das nur ein Mißbrauch, dem aufgesetzlichem Wege entgegengetreten werden muß. (...) Und hier komme ich zu dem Vorschlage, den ich für Hebung des Übelstandes zu machen habe. Man nehme die Kräfte da, wo sie zur Untätigkeit durch die Verhältnisse verurteilt sind, weg, und verpflanze sie dahin, wo sie einen Boden für ihre Wirksamkeit, also auch die Quelle zum Erwerbe ihrer Bedürfnisse finden. Freilich vernehme ich schon den Ruf der Freunde von Palliativmitteln:
>Sollen die armen Leute ihre Heimat verlassen? Und wohin?< Aber jeder Einsichtsvolle wird mit mir darin übereinstimmen, daß unsere Heimat da ist, wo sich mit den Unsern ein nützlicher Wirkungskreis eröffnet, und daß es gewiß besser ist, außerhalb des schlesischen Gebirges bei nützlicher Tätigkeit ein mäßiges Auskommen zu finden, als in den hiesigen Bergen ein elendes, von der Wohltätigkeit anderer nur kümmerlich gefristetes Leben zu führen. Es käme - und dies erscheint mir als das einzige Rettungsmittel - hier nur darauf an, aus jeder Gemeinde eine Menge gesunde, arbeitsfähige Familien in andere Gegenden unseres Staates zu verpflanzen. Wer mit der Geographie desselben nur etwas vertraut ist, wird nicht in Abrede stellen, daß noch große Striche Landes unangebaut sind, oder wegen Mangels an Kultur nicht den Grad von Ertragsfähigkeit besitzen, den sie bei besserem Anbau wohl erlangen könnten. Wird den armen Familien nicht wohl sein, wenn jede eine Scholle Bodens besitzt, den sie anbauen kann!? An ihrem guten Willen wird es nicht fehlen, davon werden alle überzeugt sein, die hier das ganze Jahr sehen, wie man sich plagt, den unfruchtbarsten Rändern und Klippen eine Frucht abzugewinnen.
Und sollte es für den Staat nicht besser sein, müßte es auch jetzt mit bedeutenden Opfern geschehen, einige tausend Familien dahin zu verpflanzen, wo sie als nützliche Bürger für das allgemeine Beste wirken können, als wenn sie hierbleiben, wo sie ein Gegenstand der Mildtätigkeit sind und ihnen das Leben >keine freundliche Gewohnheit< ist. Die Opfer, welche der Staat jetzt zu bringen hätte, würden sich in kurzer Zeit zehnfach verzinsen. Jetzt zehren sie an der Staatseinnahme, dann würden sie dieselbe vermehren. [. . .] Solange wir noch Boden besitzen, der einer zehnfach höhern Kultur fähig ist, mag man die Menschenkräfte dafür verwenden, der Erde die Früchte abzuringen, die sie zu liefern vermag. Unsere fleißigen und anspruchslosen Armen werden überall willkommen sein. Denn bei der Größe der Not haben wir es gewiß ihrem Charakter zuzuschreiben, daß sie bis jetzt nicht zu Mitteln gegriffen haben, zu denen die eiserne Not leider zuweilen verleitet. Wir wünschen daher aufrichtig, daß man jeden Vorschlag, sofern er gründliche Abhilfe zum Zweck hat, prüfen möge. [. . .]
Privilegirte Schlesische Zeitung
Nr.10 12. Januar 1844
Der “Bote aus dem Riesengebirge” enthält folgendes: Se. Exzellenz der Hr. Reichsgraf von Schaffgotsch6 haben aus gewohnter hoher Milde, den Notstand der armen Spinner erwägend, zu bestimmen geruht: >daß in sämtlichen Ortschaften zur freien Standesherrschaft Giersdorf und Hermsdorf gehörig, Garn auf Sr. Exzellenz Rechnung gekauft werden solle, auch den armen Spinnern eine Kleinigkeit mehr über den jetzt so niedrigen Preis zahlen zu dürfen. Bei dem armen Weber in unserem Gebirge ist es nunmehr dahin gekommen, da er seine Webe nicht mehr verkaufen kann und seine Stühle leerstehen, kein Garn mehr nötig zu haben, weshalb durch die hohe Gnade Sr. Exzellenz viele Familien vom bittersten Elende gerettet werden. Da dies Garn mit Verlust wieder verkauft werden soll, so würde es das gute Werk sehr fördern, wenn recht viele Garnkäufer sich an die Verkaufsstelle mit ihrem Bedarf wenden möchten. Gott segne das Werk und erhalte uns unsere gnädige Grundherrschaft noch lange, lange! Möchten sich doch auch milde Menschen finden, die das Geschick unserer armen Gebirgs-Weber erleichtern könnten, die jetzt gleich den Spinnern am Hungertuche nagen.
Die Orts-Vorstände gedachter Herrschaft<
Trier´sche Zeitung
Nr. 28 28. Januar 1844
Berlin, 22. Jan. Ihre Maj. die Königin haben in der Nacht einige Stunden geschlafen, und der Zustand Allerhöchstderselben ist befriedigend.
Der Ober-Präsident der Provinz Posen, v. Beurmann, ist von Posen hier eingetroffen.
Ein Bericht aus Schweidnitz (in der >Breslauer Zeitung<) schildert den entsetzlichen Notstand der armen Weber im schlesischen Gebirge auf eine ergreifende Weise. Er sagt: Der arme Weber verdient die ganze Woche, wenn er von früh 5 bis in die späte Nacht angestrengt arbeitet, 20, 15, ja 13 Sgr. Davon soll er nun leben mit Weib und Kind ! Dazu will ich denn einen Beitrag liefern aus der Geschichte eines unserer Weber. Den 10. dieses Monats hörte man ein krampfhaftes Stöhnen eines Menschen, der, wie man sich bald überzeugte, vor der Türe des landrätlichen Amtes zu Schweidnitz in Zuckungen auf dem Boden lag. Er wird von dem Hauswirt menschenfreundlich in die warme Backstube aufgenommen und daselbst durch dargereichtes warmes Getränk und etwas Speise wieder zum Bewußtsein gebracht. Er war nicht betrunken, Freunde der Mäßigkeit und der Entsagung, er war vor Hunger in diesen Zustand verfallen. Er hatte drei Tage mit seinen Kindern nichts gegessen und kam von Leutmannsdorf mit einer Bittschrift ans landrätliche Amt, um Brot für seine Familie zu erflehen !— Welches sind nun die Konsequenzen? Der erste Schritt zum Laster ist das Betteln, ist dieser überschritten, dann gibt es keine Schranke mehr, dann hilft auch kein Mitleid, kein Erbarmen, denn was die Inquisition verbirgt, das trifft die Strafe des allwaltenden Gesetzes. So wird der Mensch mit seinem erhabenen Geiste, seinem wahrhaft göttlichen Inhalte zu Grabe getragen ! — Deshalb ist es an der Zeit, daß unsern Webern eine ernste und durchgreifende Hilfe gewährt wird. Unsere Weber — ich sage es noch einmal — sterben vor Hunger mit ihren Kindern, wenn ihnen nicht bald geholfen wird !
Aachener Zeitung
Nr. 41 10. Februar 1844
Aachen, 9. Februar. Allwärts wird jetzt für die Notleidenden im schlesischen Gebirge gesammelt. An gar vielen Orten herrscht bittere Armut, aber nirgends ist sie so verbreitet, nirgend bei uns hat sie einen so furchtbaren Grad erreicht. Selbst in unserer Provinz finden sich an einzelnen Stellen Arme genug, aber sie leben wenigstens, es sind Kräfte genug da, die Dürftigen vor dem Verhungern zu schützen. Dort aber ist die Not allgemein, die Kräfte reichen nicht aus, und wir haben von Unglücklichen gelesen, die der Entbehrung erlegen sind. Die Bewohner des schlesischen Gebirges leben von der Industrie, es sind Spinner und Weber, ihr Verdienst hängt von dem Verdienst ab, das ihre Brotherren, die Kapitalisten und Spekulanten, von ihrem eigenen Kapitale haben. Es ist das Schicksal aller Fabrikgegenden: Die Belohnung der arbeitenden Kraft hängt von dem Genuß ab, welchen die belebende Kraft aus derselben bezieht. Die letztere opfert sich nicht für die andere auf und kann es nicht einmal, da sie für unerwartete Wechselfälle sich vorsehen muß. Die Preise der fertigen Arbeit bestimmen den Lohn des Arbeiters. Der Preis muß fallen, wenn von anderwärts eine durch die Umstände begünstigte Konkurrenz eintritt. Zu diesen Umständen gehört vor allem die größere Billigkeit der Kapitalien. Sind diese Umstände so günstig, daß sie den Zoll überwiegen, so wird die fremde Industrie die einheimische erdrücken, und wenn dies nicht, doch den inländischen Fabrikanten zwingen, den Arbeitslohn so herabzudrücken, daß er zwar gegen die fremde Konkurrenz bestehen kann, aber seine Arbeiter an ihrem Lohn verkürzen muß. Dazu ist es in Oberschlesien gekommen. Die Unglücklichen unterstützen ist edel, und mögen alle Menschenfreunde sich beeilen, diesem Elende abzuhelfen, aber sie können es nur aufkurze Zeit. Für die Zukunft, damit das Elend sich nicht erneuere, muß etwas anderes geschehen. Eine kleine Broschüre handelt von dem Verfall der Leinen-Fabrikation und der Not im schlesischen Gebirge. Der Verfasser hat nur Schlesien vor Augen, verlangt vom Staat nur Schutz für das schlesische Fabrikat. Mit Recht hätte er seine Forderung auch auf das Westfälische ausdehnen können, denn wenn die Not dort auch nicht so groß, so ist doch auch dort die Industrie in sichtbarem Abnehmen. Will man sich einen Begriff von der Lage der schlesischen Arbeiter machen? >Im schlesischen Gebirge<, heißt es, >sind an vielen Orten die Lebensmittel teurer als in großen Städten.< Und der Verdienst? >Nehmen wir nicht den schlimmsten Fall<, heißt es weiter, >treten wir nicht in das niedrige, dunkle, ungesunde Gemach, das der Arme für jährlichen Zins von 6 oder 8 Tlr. mietet, um darin seinen Webstuhl, eine morsche, mit Lumpen gefüllte Bettstelle neben ein paar hölzernen Utensilien unterzubringen, so daß das Häuflein Kinder wie Maden sich bewegen muß, blicken wir nicht in solche, dem reinen Hunger, der bittersten Not gewidmete Lokale, gegen die der Viehstall eines Dominialbesitzers als Prunksaal erscheint. Besuchen wir vielmehr den Häusler, der unter eigenem Dach und Fach wohnt und nebenbei 1 bis l 1/2 auch wohl 2 Morgen Land besitzt, worauf er mit genauer Not eine Milchkuh zu erhalten vermag. Seine Einnahme ist jährlich, mit Beihilfe von Weib und Kind, allerhöchstens 60 Taler. Die Ausgaben in einem Durchschnittsfalle sind feststehend folgende: Grundsteuer an den Staat jährlich 1 Tlr. 15 Sgr., Klassensteuer 2 Tlr., Grundzins an die Grundherrschaft 3 Tlr. 5 Sgr., Jagd- und Spinngeld an dito 15 Sgr., Gemeindeabgaben an barem Gelde I Tlr. 10 Sgr. Außerdem 3 bis 4 Tage Handarbeit bei Wegebesserungen usw. 20 Sgr., Schulgeld für 2 bis 3 Kinder 4 Tlr., Zins eines auf dem Hause stehenden Kapitals von 100 Tlr. 5 Tlr., Feuerassekranz-Beitrag 15 Sgr., Summa 19 Tlr. 5 Sgr. Folglich bleiben ihm von seiner Einnahme noch 40 Tlr. 25 Sgr. für das ganze Jahr zur Bestreitung von Reparaturen des Hauses, zur Ausgleichung des Ausfalls in seiner Einnahme, den er durch Bestellung seines Gartens und durch Mangel an Arbeit erleidet, zur Anschaffung der notwendigsten Bekleidung, der Feuerung und Beleuchtung, endlich zum Ankauf des Brotes und Salzes sowie anderer dringender Lebensbedürfnisse, ohne irgendeinen Krankheits- oder sonstigen Unglücksfall in Anschlag zu bringen.< Und wäre wenigstens das trockene Brot noch immer hinreichend zu schaffen! Aber trotz sechzehnstündiger täglicher Arbeit ist auch davon nicht einmal so viel zu erlangen, um den Hunger zu befriedigen. Und dieser jammervolle Zustand soll nicht rasche Abhilfe verlangen? >Schafft alle Schutzzölle ab, sagt der eine, denn dadurch wird die Tätigkeit des Volkes nur nach falschen Richtungen gedrängt. Wären die Leute nicht Weber, so könnten sie, statt 2 Sgr. an dem Webstuhl, täglich 10 Sgr. an Eisenbahnen oder als Maurer oder sonst verdienen.< Bis jetzt aber ist kein Mangel an solchen Arbeitern, und man vergißt, daß, wenn alle Weber sich ebenfalls zu diesen Arbeiten drängten, der Lohn bald auch da auf Null herabsinken würde. Und wie will man die Leute zwingen, einen Distrikt, auf welchem keine andere Beschäftigung möglich ist, zu verlassen? Sie würden, wo sie sich auch zusammendrängten, bald wieder den alten Zustand herbeiführen. [. . .]
Erste Beilage zu Nr. 41 der privilegirten Schlesischen Zeitung
17. Februar
Aufruf zu einer General-Versammlung behufs Beratung der Mittel gegen die Hungersnot im schlesischen Gebirge
Der Aufruf an die ganze Provinz zur Hebung der Not der armen Weber im Gebirge, die Jahrzehnte ihrem Elende und der drückendsten Verlegenheit überlassen waren, hat zu unserer größten Freude die lebhafteste Teilnahme edler Menschenfreunde von nah und fern angeregt, so daß wir uns der Hoffnung hingeben, die Lage jener Armen fiir den Augenblick wirklich verbessern zu können. Aber die Frage, wie soll radikal geholfen und wie soll verhütet werden, daß in kurzem ein zweiter Aufruf an die Herzen guter Menschen appelliere, und vielleicht vergebens appelliere, diese Frage zu erledigen, macht eine Versammlung notwendig, in der die Lebensfrage von ein paar tausend Menschen zugleich die Lebensfrage der Sichversammelnden werden soll. Zu einer solchen Konferenz laden daher Unterzeichnete alle Menschenfreunde ein, denen das Wohl ihrer Brüder am Herzen liegt, auf Dienstag, den 27sten Februar, zur >Stadt Berlin< in Schweidnitz, nachmittags 2 Uhr.
Da der Zweck der Konferenz ein doppelter ist, nämlich: 1) bestmögliche Verwendung der bereits eingegangenen und noch eingehenden Beiträge und 2) eine sorgfältige Besprechung der Weber-Angelegenheiten zu einer möglichst gründlichen Heilung ihres Übels, so wird für den ersten Zweck die Wahl eines Zentral-Komitees, für den zweiten die Konstituierung eines Zentral-Vereins notwendig werden. Die Tendenz eines solchen Vereins ist heilig genug, als daß wir nicht der festen Überzeugung sein sollten, die Versammlung werde eine zahlreiche und eine se- genbringende sein. Ganz besonders mögen daher Sachverständige aller Orte, Geistliche, Schullehrer und Scholzen als Repräsentanten der Gegenden, in denen eine große Anzahl verarmter Weber sich aufhält, der Konferenz ihren Beistand nicht versagen. Letztere mögen zugleich die Namensverzeichnisse, wenigstens die Zahlenangaben der zu Unterstützenden der Versammlung vorlegen. Bis zu dieser Konferenz aber ersuchen wir alle bereits eingegangenen und noch eingehenden Beiträge vorzubehalten, weil die Verteilung keine vereinzelte, sondern eine allgemeine und gleichmäßige und erst von dem gewählten Zentral-Komitee veranlaßt werden soll.
Kaufmann Härtel, Dr. Kirschner in Freiburg,
Dr. Pinoff in Schweidnitz
Schlesische Provinzialblätter
April 1844
Ein Plan zur Hebung der Not
der armen Spinner und Weber im schlesischen Gebirge,
vorgelegt der am 27.Februar d. J. stattgefundenen
General-Versammlung in Schweidnitz
I
Es soll ein Verein gebildet werden, dessen Zweck es sein soll, die Arbeit der Weber und Handspinner und deren Absatz durch seine innere Organisation so zu regeln, daß die Arbeiter einen dem Wert der Arbeit entsprechenden guten Lohn, die Abnehmer eine dem Preise entsprechende gute Ware erhalten. Als Mitglieder dieses Vereins werden Weber und Handspinner, ferner Personen jedes Standes, welche Garn, Zwirn oder Leinwand zu ihrem oder anderer Verbrauch kaufen, aufgenommen.
II
Der Verein besteht demnach einerseits aus Webern und Spinnern, den Produzenten, andererseits aus denen, welche die Arbeit jener zu ihrem Verbrauch an sich kaufen, den Konsumenten. Die Konsumenten verpflichten sich, keine andere Leinwand zu kaufen als solche, die von den Produzenten des Vereins angefertigt und von letzterem verkauft wird.
III
Arbeit und Verkauf der Waren sind auf folgende Weise geregelt:
1. Je nach dem Umfange und der Ausbreitung des Vereins besteht in verschiedenen Städten oder größeren Dörfern ein Etablissement, an dem je nach Bedürfnis ein oder mehrere redliche und sachverständige Männer mit anständigem, festem Gehalt als Vorsteher angestellt sind. Ihr Geschäft ist:
a) Den Flachs, welcher auf Rechnung des Vereins angekauft wird, an die Spinner, welche Vereinsmitglieder sind, zum Spinnen zuzuteilen.
b) Das Garn, welches ihnen die Spinner bringen, nach bestimmter Regel zu taxieren und dem Spinner seine Arbeit zu bezahlen. Die Höhe der Bezahlung ist je nach den verschiedenen Sorten im voraus festgesetzt, jedoch immer so, daß der Spinner seine Arbeit nach Billigkeit und Recht verwertet sieht. Der Vorsteher hat demnach nur über die Qualität des Garnes zu entscheiden.
c) Das Garn den Webern, welche Mitglieder des Vereins sind, zum Wirken zuzuteilen.
d) Die von diesen daraus gefertigte Leinwand abzuschätzen und die Arbeit den Webern zu bezahlen. Der Wert der Arbeit ist je nach den verschiedenen Leinwandsorten, wie der der Handgespinste, im voraus bestimmt, aber stets so, daß der Weber seine Arbeit belohnt sieht. Der Betrag des Lohnes darf daher nie unter ein gewisses Minimum sinken, welches hinreichend sein muß, die notwendigen Lebensbedürfnisse des Webers zu decken. Dies ist möglich, weil durch die Konsumenten, welche Vereinsmitglieder sind, ein sicherer Absatz und deshalb auch eine sichere Einnahme da ist.
e) Die Leinwand an die Konsumenten des Vereins und andere Käufer zu festgesetzten Preisen zu verkaufen. Die Preise für die verschiedenen Sorten sind so zu bestimmen, daß der Überschuß der Einnahme im allgemeinen hinreicht, um allgemeine Zwecke und Bedürfnisse des Vereins, namentlich die Besoldung der Vorsteher, zu bestreiten.
2. In Landesteilen, wo sich keine Spinner und Weber befinden, wo aber eine hinlängliche Anzahl von Konsumenten als Mitglieder in den Verein aufgenommen sind, werden Etablissements errichtet, deren Vorsteher sich nur mit dem Verkauf der Vereins-Leinwand zu den bestimmten Preisen beschäftigen. Diese werden nur nach den Transportkosten erhöht.
3. Vorsteher, welchen es gelingt, den Verkauf der Ware über die bestimmte Konsumtion der Vereinsmitglieder auszudehnen, erhalten eine verhältnismäßige Tantieme davon.
IV
An der Spitze des ganzen Vereins steht ein Direktorium, dessen Mitglieder vom Verein ansehnlich besoldet werden. Ihre wesentlichen Funktionen sind folgende:
1. Die Vorsteher der Etablissements zu beaufsichtigen.
2. Mit Zuziehung derselben, nach kürzerer oder längerer Zeit, je nachdem es die Verhältnisse erlauben, die verschiedenen Preise für Garn und Leinwand festzusetzen.
3. Die Einkäufe des Flachses, die Anlegung der Etablissements, die Ausbreitung des Vereins, die Geld- und Rechnungsgeschäfte und alle allgemeinen Angelegenheiten des Vereins im großen und ganzen zu leiten, namentlich auch die Geschäfte ins Ausland zu besorgen, wenn, wie zu hoffen steht, der Verein mit seinen Waren dort Absatz findet.
V
Ein Aufsichtsrat, dessen Mitglieder keinen tätigen Anteil an der Führung der Geschäfte haben, auch kein Gehalt beziehen, prüft nach kürzerer oder längerer Zeit die Rechnungsablage des Direktoriums sowie die Beschwerden einzelner Vereinsmitglieder und beschließt Verbesserungen in den Statuten des Vereins, wenn deren nötig werden.
Dies sind die Grundzüge der Verfassung eines Vereins, welche nach meiner Überzeugung wirkliche Heilmittel in sich enthält. Zur weiteren Empfehlung dieses Planes habe ich nur wenig anzuführen, wenn sich derselbe nicht durch sich selbst empfiehlt. Ich erinnere, wie ich bereits oben erwähnte, daran, daß große Übel auch große Heilmittel erfordern, daß mit kleiner Hilfe nichts gewonnen wird. Ich erinnere auch, daß zu jeder großen Unternehmung Mut, Vertrauen und Ausdauer gehört, und daß diejenigen, welche ernstlich auf die Ausrottung des Übels bedacht sind, ohne diese Eigenschaften wenig bewirken werden und können. — [. . .]
[Anonym]
Erste Beilage zu Nr. 41 der privilegirten Schlesischen Zeitung
17. Februar 1844
[. . .] kaum ist ein Jahr verflossen, seitdem der Verfall unserer Leinwandmanufaktur, nicht Fabrikation, sowie das Elend der Spinner und Weber öffentlich auf etwas eindringliche und gründlichere Weise zur Sprache gebracht wurde, und bereits regt es sich überall zur Herbeiführung von Abhilfe, die — wenn auch vorderhand allerdings nur noch palliativ — doch gewiß bald gründlich und radikal werden dürfte. Während einerseits milde Beiträge zur Begegnung der augenblicklichsten Not dargebracht werden, fängt man da und dort schon an, sich zu Vereinen zusammenzustellen, deren Zweck es ist, für bestmögliche Verwendung der Unterstützungsfonds Sorge zu tragen. Wo wir aber erst selbst Hand anlegen und nicht das Handeln auf die vielbelasteten Schultern unserer Beamten und Behörden wälzen, da läßt sich stets wirkliches Tun erwarten. [. . .] >Händebeschäftigung< heißt das Radikalmittel, weil durch dasselbe allein die rechte Art wohlzutun ausgeübt werden kann in einer Zeit, wo der Riese Geist gegen die Hände-Arbeit kühn und keck anstrebt.
Privilegirte Schlesische Zeitung
Nr. 45 22. Februar 1844
Die Not der Weber- und Spinnerfamilien im schlesischen Gebirge und die Mittel, sie zu mildern und ihr abzuhelfen
[. . .]
Es gibt nur ein Mittel gegen Sünde und Not— das ist Arbeit. Jener Spruch des Paradieses, der nur für Tagediebe und Faulenzer Abschreckendes hat— >Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen< — ist nicht sowohl ein Fluch als vielmehr der erste Segen Gottes. Aber er enthält auch die Worte >dein< Brot, und die vierte Bitte betet um >unser< Brot, wodurch die Verpflichtung angedeutet ist, die Menschenkräfte so zu verteilen, anzustellen, in Anspruch zu nehmen, daß jeder sein Brot essen kann. Das ist die Hauptaufgabe, mit der sich jeder beschäftigen soll, welchem die Not seiner Brüder wahrhaft zu Herzen geht. [. . .]
Zuvörderst werden wir uns vollständig davon überzeugen müssen, daß es mit dem Spinnen und Weben als Erwerbszweig für unsere Gebirgsbevölkerung aus ist, wahrscheinlich für immer, uns überzeugen müssen, daß alle Versuche, den gesunkenen Nahrungszweig durch Kunsthilfe in die Höhe zu schrauben, vergeblich bleiben wird, wenn auch vielleicht einzelnen damit geholfen werden möchte. Will man durch Spinnschulen, die sich andererseits bewährt haben sollen, nachhelfen, so läßt sich dagegen insofern nichts sagen, weil gutes Garn einmal besser ist als schlechtes und weil zweitens auch in unserem Gebirge stets gesponnen werden wird; allein, man muß nicht glauben, dadurch den Nahrungszweig auf seine frühere Höhe bringen zu wollen. Hin ist hin. Maschinen und Fabriken und andere Faktoren haben auf den bisherigen Erwerbszweig tötend eingewirkt. Und es ist besser, statt erfolgloser Wiederbelebungsversuche, wodurch bloß Zeit und Kraft verlorengeht, ohne daß dadurch Hilfe erwirkt wird, daran zu denken, auf andere Weise zu helfen. Die Grundsätze, welche hier werden leiten müssen, möchten folgende sein. Wo zu viel Arbeitskräfte sind, müssen sie in Gegenden verpflanzt werden, wo sie fehlen. Wo ein Nahrungszweig eingegangen ist, muß durch vereinte Bemühungen ein anderer geschaffen werden. [. . .] Wer es weiß, wie besonders Gebirgsbewohner an ihrer Heimat hängen, der wird es sehr begreiflich finden, daß die Vorschläge zur Auswanderung, wobei wir keineswegs an Amerika oder auch nur an ein nichtpreußisches Land, sondern nur an einen andern Punkt unseres Staates denken, keinen besondern Anklang finden. Dessenungeachtet darf dieses Heilmittel eines krankhaften Zustandes nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden. Nur muß man nicht erwarten, daß unsere Gebirgsbewohner von selbst ihren heimatlichen Boden, obgleich ihnen das >Leben< auf demselben keine >freundliche Gewohnheit< ist, verlassen werden. [. .]
Es gibt eine Menge Arbeiten, die in unserem Gebirge gefertigt werden könnten, die jetzt aus der Ferne bezogen werden. Wir haben von ebenso sachkundigen als für das Wohl ihrer Nebenmenschen erwärmten Männern es wiederholt aussprechen hören, daß z. B. die mannigfaltigen Arbeiten aus Stroh — Strohflechten —in jedem Dorfe einer Menge Familien Brot verschaffen würden, daß eine Menge Holzarbeiten, Kisten, Knieholzwaren, Spielsachen usw. hier gefertigt werden könnte. [. . .] Arbeit und nur Arbeit, das ist der Wille Gottes ! Von unseren Webern und Spinnern ist auch kein Entschluß zu erwarten. Sie sind zu gänzlicher Willenlosigkeit herabgesunken und so weit gekommen, daß sie bei dem Spinnschemel, auf der Weberbank eher verhungern als etwas anderes treiben. [. . .]
Schlesische Chronik
Nr. 17 27. Februar 1844
In Sachen der Weber und Spinner
Wenn die >Häupter< unserer Fabrikanten und Manufakturisten teils in öffentlichen Blättern die Volksmeinung, teils in Immediat-Eingaben und Anträgen die Ministerien zugunsten des Colbert'schen Merkantilsystems, also ihres eigenen Vorteils, zu stimmen suchen, so betrachten sie als einen ihrer stärksten Verbündeten den Hinweis auf die gedrückte, erbarmenswerte Lage, in der sich ihre Vor- und Hilfsarbeiter, die Weber und Spinner, befinden. Sie verfehlen dann auch nie, das in der Tat augenfällige Elend derselben dem >bei uns mehr und mehr zur Geltung gekommenen< Adam Smith'schen Industriesystem mit seinem Grundsatze freien Handelsverkehrs der Völker untereinander in die Schuhe zu schieben, und somit ihren Forderungen von Schutzzöllen als der einzigen Rettung aus solcher Not den Weg anzubahnen. Wir gestehen offen, daß wir — wenn auch zur Hälfte an den guten Willen und die ehrliche Meinung der Antragsteller — doch ganz und gar nicht an diesen Messias aus der Hungersnot und dem Sklaventum unter zivilisierten Völkern glauben. Gesetzt, unsere Staatsmänner gingen auf jenes Verlangen ein, und die Fabrikate rivalisierender Nationen würden durch mächtige Zölle von deutschen Märkten ausgeschlossen, würde sich nicht alsbald, bei der Anhäufung von — für die Verwendung bereitliegenden — Kapitalien in den Händen einzelner, die inländische Konkurrenz verdoppeln und verdreifachen? Bietet nicht der gefürchtetste Rival unter den handeltreibenden Völkern, England, den schlagendsten Beweis dafür, daß bei dem ungeheuren Quantum von >Arbeit<, das verbesserte und immer noch verbesserungsfähige Maschinen liefern, bei der über den Bedarf gesteigerten Produktion, der menschliche Arbeiter nun unter den allerungünstigsten Verhältnissen einen seinen Anstrengungen dennoch nur halb angemessenen Lohn empfängt? Und das lehrt uns England, England mit seinen überseeischen Märkten, England, das die Pyrenäische Halbinsel, das unsere deutschen Handelsplätze mit seinen Waren überströmt, — und dessen Arbeiter trotzdem seit Dezennien dasselbe Klagelied — nur energischer — singen, das die unsrigen erst jetzt beginnen, nun sie um Sein oder Nichtsein kämpfen! — Wir begreifen die Möglichkeit günstiger Einwirkung von Schutzzöllen da, wo, wie bei unsern oberschlesischen Eisenbergwerken, besondere Bodenverhältnisse nur die Begünstigung allmählicher Entwicklung und Erstärkung erheischen, um dann mit Erfolg sich andern seit Jahren bestehenden Genossen an die Seite stellen zu können; wir begreifen diese Möglichkeit, ohne jedoch das gewünschte Mittel für das beste zu halten; — aber wir verneinen sie bestimmt z. B. betreffs unserer Linnen- und Baumwollen-Produktion, welche in einem dichtbevölkerten Lande wie Deutschland überall gleich gut und leicht betrieben werden kann, weil arbeitende Kräfte für andere Gewerbe und den Landbau dennoch überall im Überflusse vorhanden sind. Das Publikum würde anfangs mehr bezahlen müssen, der reiche Fabrikant mehr gewinnen; in wenig Jahren wäre alles wiederum ausgeglichen; der arme Hilfsarbeiter aber wäre nach wie vor in Dürftigkeit und Elend verblieben.
Dies jedoch nur beiläufig! Eigentliche Veranlassung zu diesen Zeilen ist eine Erzählung, die mitten unter die schönen und echt-christlichen Aufforderungen zur Betätigung der Nächstenliebe an jenen Unglücklichen, welche die Überschrift dieses Aufsatzes nennt, mitten in die allgemeine Teilnahme nicht bloß des Preußenlandes, sondern von ganz Deutschland einen schrillen Mißlaut entsendet, und die wohl einer Mitteilung und Prüfung in diesen Blättern wert ist, da die hundertzüngige Fama sie schon durch unsere ganze Provinz verbreitet hat, ohne doch auf diesem Wege sie anders als ein Gerücht zu dokumentieren, dem man als solchem nicht recht auf den Leib gehen kann. Ist die Kunde wahr — wie gern bezweifeln wir es noch —, dann würde unsere obige Bemerkung, daß wir nur zur Hälfte an den guten Willen und die ehrliche Meinung unserer Schutzzölle heischenden Fabrikanten glauben, der glänzenden — obwohl traurigen — Rechtfertigung nicht entbehren; ist sie nicht wahr, so wird sie hoffentlich eine Berichtigung nicht lange erwarten dürfen, die entweder ihren völligen Ungrund erweist oder das etwaige Wahre daran zugunstendes Angeklagten beleuchtet. Diese veranlaßt zu haben, wäre in letzterem Falle das von uns gebotene Entgelt.
>Ein armer Weber kommt zu einem reichen Kaufmann und bietet ihm eine Webe zum Kaufe. Nach dem Preise gefragt, verlangt er einen dem Werte der Arbeit durchaus angemessenen, dessen Richtigkeit jener aber in Abrede stellt, indem er volle fünf Taler — ein Kapital für unsere Weber — weniger bietet. Es kommt so weit, daß der arme Arbeiter sich zu einem Fußfalle vor dem Handelsherrn erniedrigt. Er müsse bei diesem Preise mit den Seinigen verhungern; damit habe er kaum das Material bezahlt, geschweige den Schweiß und die Mühen seiner Nachtwachen. Umsonst! Der Kaufmann bleibt bei seinem Gebote stehen, und der Weber — Frau und Kinder schreien nach Brot; wer weiß, ob er bald einen anderen Käufer findet? — der Weber gibt mit Tränen im Auge seine Arbeit hin. Unmittelbar von den Seinen aber, denen er von dem Gelde erst Brot kaufte, eilt er zu seinem Gutsherrn, dem er alles erzählt und zuletzt verzweiflungsvoll erklärt: Bis jetzt habe er sich, obwohl mit Kummer und Not, doch ehrlich genährt; so aber gehe es nicht mehr, ihm bleibe nur Betteln oder Stehlen übrig. Der Gutsherr läßt sich das äußere Ansehen der Webe genau und bis ins kleinste beschreiben, und fährt dann augenblicks zu jenem Kaufmann, dem er erklärt, zu einem bestimmten Zwecke ein Stück Leinwand kaufen zu wollen. — Um es kurz zu machen —, unter den vorgelegten Stücken erkennt der Käufer in der Tat die ihm kurz zuvor genau beschriebene Arbeit seines Gutsinsassen und kauft sie, nachdem das Handlungshaus versichert hat, sie billiger nicht lassen zu können, um einen Preis, der dem Kaufmann das Doppelte von dem als Profit läßt, das er dem Armen abgedrungen. Der Gutsherr fährt sogleich zurück; der Weber, der auf sein Geheiß ihn erwartete, erkennt ebenfalls sogleich seine Arbeit wieder; und nun soll ersterer, mit Hinweis auf unzählige ähnliche Vorkommnisse, die ganze Sache Sr. Maj. dem Könige angezeigt haben.<
Soweit die Erzählung, die ich, mit geringen Abweichungen im einzelnen, an drei verschiedenen Orten vortragen hörte. —Ich erlaube mir einige Bemerkungen dazu. Darf man sich wundern, daß gerade in Fabrikgegenden (man sehe: das Wuppertal, die Fabrikantendörfer des Eulen- und Riesengebirges) der Pietismus so floriert? Darf man sich wundern, wenn der, welcher trotz aller ehrenwerten Anstrengungen einem Leben voll Not, Entbehrung und Elend sich gleichsam verfallen sieht, diese Erde nur als das Jammertal betrachtet, aus dem die Erlösung ihm nicht früh genug kommen kann? Darf man sich wundern, daß, obwohl er alle Tage mit Fürst und Bauer, mit Millionär und Bettler betet: >Unser Vater, der Du bist im Himmel!< er dennoch Mut und Vertrauen zu Gott als dem Vater verliert, daß er von Tage zu Tage mehr verdumpft, sein Unglück als die unabwendbare Strafe seiner menschlichen Sündhaftigkeit ansieht, und nun mit Heißhunger nach den Traktätchen greift, die ihm der Pietismus bietet, die Tröstungen der Blut- und Sündentheorie, die Zusprüche unserer Krummacher-21 und Bonsorten gierig hört und aufnimmt? Man merke wohl: Despotie und Hierarchie sind immer Hand in Hand gegangen. Beide wollen herrschen. Beiden ist deshalb geistige Freiheit ein Greuel. Darum — erst verdummen, erst geistig knechten, dann habt ihr freien Tisch! — Wir wollen euch aber diesen freien Platz nicht lassen; wir wollen uns vielmehr jederzeit laut, frei und öffentlich gegen geistigen und körperlichen Druck erklären, weil beide in ebenso enger Verbindung und unmittelbarer Wechselwirkung zueinander stehen wie Geist und Körper selbst. Darum auch an alle diejenigen, welche von dem Sachlichen unserer Erzählung genau unterrichtet sind, die dringende Bitte, damit nicht zurückhalten zu wollen. Solche Tatsachen zu veröffentlichen, ist Pflicht und Beruf der Presse. Solche Veröffentlichung verbietet keine deutsche Regierung!
Aachener Zeitung
Nr.62 2. März 1844
Aachen, 29. Februar. Der Verein für Unterstützung der Armen im schlesischen Gebirge hat seinen Beruf und seine Zeit verstanden. Er hat das Rechte begriffen und getan, was allein tun muß, wer wirklich der Armut zu Hilfe kommen will. Es liegen uns die von demselben entworfenen Statuten vor, welche mit einer Umsicht abgefaßt sind, die als Muster in ähnlichen Fällen dienen kann. Die Armut ist überall; sie findet auch überall einen immer bereiten Wohltätigkeits-Sinn, welchen ihr Elend rührt und zur Unterstützung drängt. Aber alle unsere Wohltätigkeit besteht in der Regel nur in direkten pekuniären Spenden, höchstens im Verteilen von Lebensmitteln. Die Armen-Verwaltungen, welche über Summen im großen verfügen, verfahren nicht anders als der Privatmann. Sie verteilen das Geld, ohne sich um die Benutzung desselben zu kümmern, was auch kaum möglich ist, da, wo viele Arme zu übersehen sind, ihr innerer Haushalt nicht immer streng zu überwachen ist. Die Unterstützung wird aber dadurch meist zu einer sicheren Rente, die, weil sie bequem eingeht, keine Anstrengung weiter erfordert, dazu auffordert, in einem Zustande zu bleiben, welcher die Entziehung dieser Rente unmöglich macht. Die Zartheit des Gewissens oder des Gefühls, welche die Wohltat als eine Last erscheinen läßt und dazu antreibt, sobald als möglich deren Notwendigkeit entbehrlich zu machen, darf nicht erwartet, wird auch selten angetroffen werden. Statt also einer Anstrengung, aus der Dürftigkeit herauszukommen, werden wir die Geldspenden nur eine größere Erschlaffung, eine Stumpfheit erzeugen sehen. [. . 1 Die Bewohner des schlesischen Gebirges sind elend geworden, weil sie auf eine Industrie beschränkt sind, welche der fremden Konkurrenz zu erliegen droht. Wir wollen nicht untersuchen, ob der zu hohe oder zu niedere Schutzzoll daran schuld, ob die Handarbeit dem Maschinenprodukt weichen muß; gewiß ist, daß durch Eröffnung natürlicher Abzugswege, wie sie sich für das Leinenzeug auswärts darbieten, dem Ruine vorzubeugen war. Aber das Elend ist einmal da, ist furchtbar, wird von Augenzeugen so dargestellt, daß jedes Herz dabei erzittern muß. Es muß rasch geholfen werden, und kein Menschenfreund wird säumen, sein Scherflein beizutragen. [. . .]
Trier´sche Zeitung
Nr. 65 5. März 1844
Bekanntmachung
Der schon so oft durch die Tat bewährte Wohltätigkeits-Sinn der Einwohner des Wuppertals ist auch bei dem großen Notstande der schlesischen Gebirgsbewohner, von welchem uns die Zeitugen so ergreifende Schilderungen gebracht, kein teilnahmsloser Zuschauer geblieben.
Durch die Herren Verleger der >Elberfelder Zeitung< und des >Elberfelder Kreisblattes< sind mir in diesen Tagen die in der Expedition dieser Blätter als freiwillige Liebesgaben eingegangenen Beiträge zur Linderung der Not der schlesischen Gebirgsbewohner mit zweihundertfünfzig Talern zur Weiterbeförderung übersandt und noch fernere Sendungen in Aussicht gestellt.
Indem ich den edlen Gebern namens unserer hart bedrängten schlesischen Brüder hierdurch den herzlichsten Dank abstatte, spreche ich zugleich den Wunsch aus, daß das von Elberfeld gegebene schöne Beispiel nicht ohne Nachfolge bleiben möge, daß sich namentlich auch die Redaktionen der übrigen Zeitungen der Provinz zur Sammlung von Gaben für die armen schlesischen Gebirgsbewohner veranlaßt finden mögen.
Für die Beförderung der einkommenden Beiträge werde ich sehr gerne Sorge tragen.
Koblenz, den 22. Februar 1844
Der Ober-Präsident der Rheinprovinz
Schaper
Aachener Zeitung
Nr. 88 28. März 1844
Aufruf
Jahrzehnte hindurch waren die Weber und Spinner in Schlesien an Entbehrungen des Notdürftigsten gewöhnt, gegenwärtig aber ist durch die lange anhaltende Ungunst der Handelsverhältnisse ihre Not bis auf das Äußerste gestiegen.
Es gilt nicht, ein Unglück, das Gott mit einem Schlage verhängt hat, abzuwenden. Es gilt, ein geräuschloses, langsam schleichendes, aber um so verderblicher wirkendes Elend zu besiegen.
In Breslau hat sich am 7. dieses Monats ein Verein gebildet, der sich die Aufgabe gestellt hat, sowohl augenblicklich die Hilfsbedürftigen zu unterstützen, als auch für eine dauernde Abhilfe der Not Sorge zu tragen, und das unterzeichnete Komitee hat die Geschäftsführung des Vereins übernommen.
Wir beginnen unsere Tätigkeit mit dem Aufruf an alle Menschenfreunde, uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen. Wir bedürfen bedeutender Mittel, um unser Ziel auch nur annähernd zu erreichen, und gemeinschaftliches Wirken vermag allein die Summe des Elends zu bewältigen.
Indem das unterzeichnete Komitee eine zweckmäßige Verwendung der uns zufließenden Beiträge zu besorgen verspricht, ersuchen wir die verehrlichen Redaktionen deutscher Zeitungen und Zeitschriften, diesen Aufruf abzudrucken, Beiträge zum Besten der Notleidenden anzunehmen und an unseren mitunterzeichneten Schatzmeister einzusenden.
Breslau, den 15. März 1844
Das Komitee des Vereins
zur Abhilfe der Not unter den Webern und Spinnern in Schlesien
Ober-Bürgermeister Pinder als Vorsitzender
Kaufmann C. Scharff als Schatzmeister
Regierungs-Assessor Schneer als Protokollführer
Trier´sche Zeitung
Nr. 98 7. April 1844
Vom Rhein. 3. April. [. . .] Die Industrie im großen und ganzen ist ein Element des Staatsorganismus, etwas, das der Staatsweisheit unmittelbar verfällt, und wo diese letztere vorauszusetzen ist, da kann es nicht fehlen, daß jetzt das Bedürfnis gefühlt werde, tätig einzugreifen, die Privatunterstützungen wesentlich zu ergänzen und für die ganze Zukunft die Wiederkehr dieses Grades von Elend unmöglich zu machen. Der Staat aber hat den Schlesiern gegenüber zwei Mittel, welche unfehlbar ausreichen müssen, dafern man sie mit der gehörigen Energie und in Ungetrenntheit anwendet. Daß eine nationale Industrie, welche durch die Mißgunst der Umstände an den Rand des Verderbens gekommen ist, und welche von außen eine gewaltige und kompakte Konkurrenz erleidet, weiser und genügender Schutzzölle bedürfe, bis sie auf eignen Beinen zu stehen vermöge, gilt bei uns als eine ausgemachte Wahrheit. Diese Wahrheit können wir als etwas objektiv Richtiges um so mehr hier voraussetzen, als die >Trier'sche Zeiung< in mehreren Artikeln sich als Anhängerin des richtigen nationalökonomischen Systemes noch im vorigen Jahre bewährt hat. [. .] Zollschutz wäre also das erste dringliche Mittel zur Abhilfe der Not. Das zweite besteht in der Organisation der Arbeit.
Es darf nicht sein Bewenden dabei haben, daß man eine neue Wahrheit billigt und theoretisch falsche Ansichten fallen läßt. Man muß auch nach der bessern Überzeugung handeln. Hier ist nun ein Feld gegeben, wo die Arbeit zu organisieren ist, wo die Beteiligten keinen Augenblick Widerstand entgegensetzen werden, wo sich der Beweis führen läßt, daß der Sozialismus, weit entfernt, eine Theorie des Umsturzes und der Vernichtung zu sein, etwas praktisch höchst Vortreffliches, allen Menschen zugute Kommendes, die Sittlichkeit und den Wohlstand lediglich Beförderndes ist. Es kommt nur auf die Probe an. Was nämlich die meisten wohl noch nicht klar wissen, ist, daß die schlesischen Weber nicht als Masse, nicht einmal in Masse dem Verkehr und den Konsumenten gegenübertreten, daß sie vielmehr als einzelne, isolierte Individuen von wenig Mitteln, die von Hand zu Mund leben, der gänzlichen Willkür der Vorkäufer, der Kapitalisten, der Kaufleute preisgegeben sind, welche, ihre augenblickliche Verlegenheit benutzend, lediglich auf eigne SpekulationsChancen achten und so den Weber zu einem untergeordneten Helfershelfer, zu einem Knechte und Sklaven herabdrücken.
(...)
Organisiere man also die schlesischen Weber, nicht in Zünfte, sondern in freie Organisationen, wo jeder frei ist und durch den Verband erst recht frei wird. Dann können diese Assoziationen den Kaufherren anders gegenübertreten, und wenn der Grenzzoll ihnen die Abnahme sichert, so wird es sich bloß fragen, welche Assoziation am besten und probehaltigsten produziert. Aus diesem Wetteifer dürfte sich binnen kurzer Zeit eine Blüte der Industrie herausstellen, die es erlaubte, den Zoll zu erniedrigen, ganz aufzuheben und den Markt der deutschen Leinen weit über die deutschen Grenzen hin auszudehnen. Dies klingt vielleicht fabelhaft und chimärisch. Allein, habt ihr die Assoziation vielleicht einmal versucht, habt ihr erfahren, was die solidarische Verbindung freier Menschen vermag?
Beilage zu Nr. 85 der priviligirten Schlesischen Zeitung
April 1844
Offener Brief an die Herren C. G. Kramsta und Söhne in Freiburg
Gestern kam der hiesige Webermeister und Gemeindedeputierte Benj. Wagner zu mir und sagte: Es wäre mehreren hiesigen Webern, die für Ihre Handlung arbeiteten, bei Ablieferung ihrer Ware gesagt worden: man werde gerade ihnen künftig gar keine Arbeit mehr geben oder nur schlechtes Handgespinst, und daran sei ich schuld! Sie möchten zu mir gehen und mich veranlassen, das zurückzunehmen, was ich über die Leinwandverhältnisse gesagt, denn nur ich sei schuld daran, daß so vieles Garn und so viele Leinwand keinen Abgang mehr finde!
Ich erlebte nun an mir selbst, was schon bei Herrn Buchdrucker Rieck, dem Redakteur des >Freiburger Lokalblattes<, versucht ward, dem wegen eines abgedruckten Aufsatzes — wie ich hörte von Ihren Fabrikaufsehern — die Fabrikarbeiter auf den Hals gehetzt wurden, so daß es sogar bis zu Straßenaufläufen kam.
Ein dergleichen Benehmen kann gelegentlich zu Unfug führen, darum verdient dasselbe öffentlich gerügt zu werden, und wenn ich auch glaube, versichert sein zu dürfen, daß der einsichtige Chef eines achtungswert genannten Handlungshauses dabei nicht im Spiele sein könne, so ergibt schon die Ähnlichkeit und Wiederholung des Verfahrens, daß sich die Geschichte nicht auf ein aus der Luft gegriffenes Gerede basieren kann.
Sie werden einsehen, meine Herren, daß es an Ihnen ist, Maßregeln gegen mögliche Wiederholungen von dergleichen Gebaren Ihrer Untergebenen zu treffen. Es liegt dies gewissermaßen im Interesse Ihres Geschäfts, wie ich das Vergnügen haben werde, Ihnen sogleich schlagend darzutun, indem ich Ihnen den Erfolg der Aufwiegelung gegen mich mitteile:
Die Weber, denen wahrscheinlich von Ihrem Handlungspersonale die Einflüsterung und Drohung gemacht worden ist, kamen gar nicht einmal selbst zu mir, um mich zur Rede zu stellen oder mir Vorwürfe zu machen; denn ich erwarb mir durch mein Betragen als ihr ältester Gemeindedeputierter, wie Sie sich bei Nachfrage überzeugen werden, die Achtung der Leute. Es sprach nur etwa mit einem befreundeten Nachbar, wer etwa unschlüssig oder zaghaft war, und wissen Sie, wie der >arme Mann<, das Volk, urteilte? Man entgegnete: >Laßt euch nicht bange machen; solange Kramstas an eurer Arbeit zu verdienen wissen, werden sie euch welche geben und hören sie ganz auf zu handeln, so treten an ihre Stelle sicher wieder zwanzig andere und es wird wieder wie früher, wo wir nicht von der Gunst oder Ungunst eines einzelnen abhingen und besser bezahlt wurden !<
Sollte, wider Vermuten, dennoch jene unvorsichtige Äußerung von Ihnen ausgegangen sein, so gebe ich Ihnen die Versicherung, daß nur, wenn ich meine gewonnene Überzeugung als irrtümlich anzuerkennen genötigt wäre, ein Widerruf derselben stattfinden könnte. In diesem Falle aber sofort, wenn auch mit Trauer im Herzen, denn dann wäre jede Hoffnung verloren, den seitherigen herzzerreißenden Jammer unserer Spinner und Weber gründlich zu heben. Ich halte nämlich mit dem Ihnen befreundeten Herrn M. Websky dafür, daß die Leinwand aus Maschinengespinst ein von der Handgespinstleinwand ganz abweichendes Produkt sei, daß es sich den Eigentümlichkeiten der Baumwollengewebe nähere und daß letztere endlich einen vollständigen Sieg über das Flachsgespinst davontragen müsse. England hat uns dann für immer aus dem Felde geschlagen, denn es ist wenig Aussicht vorhanden, daß wir der englischen Konkurrenz jemals werden die Spitze bieten können. Ganz anders stellt sich die Sache, wenn wir bei dem Gewebe aus Handgespinst stehenbleiben und dessen Eigentümlichkeiten in Geltung erhalten, wozu uns die Mittel in der aufrichtigen Belehrung und Bedienung des Publikums zu Gebote stehen. England muß dabei allezeit gegen uns seine sonst mächtigen Segel streichen, denn es fehlt ihm unser niedriger Arbeitslohn! —
Solange mir das Irrtümliche dieser Ansichten nicht klar bewiesen wird, solange beharre ich auf denselben zum Vorteile meines Vaterlandes ! Einen anderen Vorteil aber kenne ich nicht, habe ich nicht dabei, und keine Absicht als diese, verbunden mit dem
lebhaftesten Wunsche: Unserer arbeitsamen, in den bejamernswertesten Umständen lebenden Armut nach besten Kräften hilfreiche Hand zu bieten, hat meiner Wirksamkeit zum Grunde gelegen. — Verdient mein Betragen demnach ein Verfahren wie das oben gerügte?
Seitendorf, am 3. April 1844 Ed[uard] Pelz
Erste Beilage zu Nr. 88 der priviligirten Schlesischen Zeitung
15. April 1844
Auf den an uns gerichteten Offenen Brief des Herrn Ed[uard] Pelz in der Beilage zu Nr. 85 der >Schlesischen Zeitung< erwidern wir: Wir haben einigen unserer Seitendorfer Weber angedeutet, daß wir ihnen statt Maschinengarn gutes Handgarn (schlechtes geben wir nie aus) zur Arbeit geben würden, um Herrn Pelz Gelegenheit zu geben, sich am Orte durch die Tat zu überzeugen:
1. wieviel ungleicher Handgarn als Maschinengarn
2. wieviel schwieriger es ist, ein gutes Schock Leinwand aus Handgarn als aus Maschinengarn zu verfertigen
3. wieviel mehr Zeit der Weber beim Handgarn braucht
4. wieviel weniger er pro Tag daran verdienen kann und
5. wieviel fester Maschinengarn denn Handgarn ist.
Wenn Herr Pelz ferner als das Urteil des armen Mannes zitiert: >Laßt euch nicht bange machen, solange Kramstas an eurer Abeit zu verdienen wissen, werden sie euch welche geben, und wenn sie ganz aufhören zu handeln, so treten 20 andere an ihre Stelle<, so ist der unterstrichene Teil ganz in der Ordnung; wir werden nur Geschäfte fortführen, welche zeitgemäß sind und in denen unser gewiß mäßiger Nutzen mit dem des Arbeiters sich verbinden läßt. Unternehmungen, welche nicht auf diesen Grundlagen ruhen, werden nirgends von Dauer sein. Die Zukunft wollen wir Gott anheimstellen und fordern Herrn Pelz nur noch auf, insofern derselbe unparteiisch sein will, unsre gut arbeitenden Lohnweber auszuschließen (wenn er von herzzerreißendem Jammer der Weber schreibt). Wir bezahlen, mit Bezug auf die festen Garne, welche wir zur Verarbeitung geben, die besten Löhne des Gebirges, und viele Weber-Familien arbeiten seit 40 Jahren für uns und sind uns mit Vertrauen ergeben. Sie wissen, daß wir gegen Lohn nur schlesische Weber beschäftigen, aufgute Ware halten, welche Schlesien Ehre bringt, und daß in hiesiger Gegend nie so viel feine gute Leinwand gemacht worden ist als jetzt.
Freiburg, den 12. April 1844 C. G. Kramsta und Söhne
Weser-Zeitung
Nr. 89 15. April 1844
Berlin, 11. April. Man bietet hier alles auf, um den armen Webern und Spinnern in Schlesien zu helfen. Der von der Seehandlung errichtete Verein läßt von Haus zu Haus seine echten Linnen anbieten. Dadurch geraten aber unsere Leinwandhänler, die mit großen Vorräten sich versehen haben, in einige Verlegenheit, die sie in keiner Art verdient haben. Besser wäre es allerdings gewesen, wenn man früher, wozu die Presse wiederholt aufgefordert hat, mit Spanien Handels-Verträge abgeschlossen und sich in kommerziellen Dingen nicht um politische Theorien bekümmert hätte. [.104 Vor dem Aufstand
Mannheimer Abendzeitung
Nr.89 14. April 1844
An Mannheims Frauen
Als die Brandfackel Hamburg in Asche legte, da waren Millinen Menschen eifrig bereit, Hilfe zu leisten, und Ströme Goldes flossen den Unglücklichen zu. Städte und Dörfer brachten ihre Gaben, Kaiser und Könige beeilten sich, kaiserliche und königliche Spenden zu schicken; jede andere Angelegenheit trat in den Hintergrund zurück, bis der schreienden Not Abhilfe geworden. Hamburgs Brand war ein großartiges Ereignis und wird nicht in Vergessenheit geraten, solange die Menschen Geschichte schreiben. Damals waren es vorzüglich die Männer, welche ihre Tätigkeit bezeigten, und viele Namen jener Helfer werden fortleben und dankend genannt und gerühmt werden.
Ein anderes, vielleicht gräßlicheres Unglück hat die armen Schlesier betroffen; aber es ist kein Ereignis, bei welchem ein unsterblicher Name, bei welchem ewiger Nachruhm gewonnen werden kann, es ist ein einfaches Familienunglück, kein imposantes Schauspiel, bei dessen großartigem, wenngleich fürchterlichem Anblicke das Herz erschüttert und zu höhren Empfindungen angeregt wird. Es ist ein Familienunglück, das nur von dem Herzen einer Frau ganz begriffen werden kann. Der Frau, welcher der schöne Beruf geworden, im stillen zu wirken und zu beglücken, Familienwohl zu befördern. Nur wir können es daher ganz fassen, das namenlose Elend, dem Tausende unsrer Mitschwestern preisgegeben sind, mitfühlen den ungeheuern Schmerz, der das Mutterherz zerreißt, wenn das Höchste, das Einzige, was es besitzt, langsam dem Hungertode entgegenwankt. Glücklich diejenigen, welche alleinstehen, allein sterben können, deren Tränen keinem verschmachtenden Vater, keiner verhungernden Mutter stumm aber deutlich sagen: Ach! Ich kann Euch keine Nahrungsmittel reichen, kann Euch die treue Liebe nicht vergelten, die Ihr mir bewiesen habt! Glücklich diejenigen, die ihrem Kinde, das sie um Brot fleht, nicht sagen müssen: Ich möchte Dir gerne mein Herzblut opfern, aber Brot — ich habe es nicht!
Wenden wir uns von diesen zermalmenden Szenen hinweg und denken wir darauf, wie dieser dringenden Not gesteuert werden kann. In andern, weniger dringenden Fällen haben sich Frauenvereine gebildet und viel Gutes und Nützliches gewirkt. Man hat Schmuck, weibliche Arbeiten und allerhand Luxusartikel durch Lotterien zu Gelde gemacht und bedeutende Summen wurden erzielt. Konzerte wurden von Dilettantinnen gegeben, die reichen Ertrag geliefert. Zum Besten Hamburgs hat eine Gesellschaft hiesiger Herren eine Vorstellung im Schauspielhause gegeben. Könnten die hiesigen Damen, denen ein solches Talent geworden, nicht ein Gleiches zum Besten der armen bedürftigen Schlesier tun? Wer wird nicht gern das kleine Opfer bringen, als Dilettantin einer Kunst aufzutreten, die zwar in einem roheren Zeitalter eine verachtete war, welche man aber längst von einem würdigeren Standpunkte aufzufassen und nach Verdienst zu ehren gewohnt ist? Das schätzbare jetzige Komitee und der geehrte Oberregisseur werden gewiß mit aller Bereitwilligkeit so löbliche Zwecke unterstützen und bemüht sein, die Einnahme so wenig als möglich durch unbillige Abgaben zu schmälern und zu verhüten, daß der Ertrag nicht, wie bei der angeführten Vorstellung, durch Zulassung des Publikums in die Generalprobe verringert wird.
Möge diese dringende Aufforderung von Nutzen sein, und der hohe Wohltätigkeitssinn sich, wie immer, auch in diesem Falle bewähren. Konnten einst, wie die Geschichte erzählt, Frauen ihren Schmuck und ihre Kleinodien zum Opfer bringen zur Fortsetzung des Krieges gegen den Feind ihres Landes, so werden auch wir fähig sein, diesem hohen Beispiele nachzuahmen und gern etwas aufopfern, um einem quälenderen Feinde Trotz zu bieten, der in den Reihen unserer Mitmenschen wütet. Wir werden gern unsere kleinen Fähigkeiten und Talente zum Besten so vieler Unglücklichen anstrengen, einzig von dem schönen Bewußtsein einer guten Tat belohnt. Keine Blätter werden unsern Ruhm ausposaunen, keine Votivtafeln31 von unsern Taten sprechen, aber daß wir die Tränen der Verzweifelnden getrocknet, daß wir so manchem Herzen den Glauben an die allwaltende
Liebe wieder zurückgegeben, den es bereits verloren hatte, das, meine Mitschwestern, wird uns eine Quelle der Zufriedenheit und Seligkeit werden, wie Lorbeer und Ehrendenkmale sie nimmer zu schaffen imstande wären.
Laßt den Männern die Ehre und unvergängliche Namen; Schöner und süßer belohnt uns ein schönes Gefühl.
Mannheim, 12. April 1844
Beilage zur Kölnischen Zeitung
Nr.110 19. April 1844
Dr. Karl Grüns Vorlesungen zum Besten der schlesischen Weber haben einen Ertrag von 138 Tlrn. geliefert, welche Summe derselbe unterm 5. d. Mts. dem Herrn Ober-Präsidenten der Rheinprovinz übersandte, worauf ihm folgendes Schreiben zuging, das hier, den Teilnehmern gegenüber sogleich als Quittung, veröffentlicht wird:
Die mit Euer Wohlgeboren gefälligen Schreiben vom 5. d. Mts. mir übersandten, zur Linderung des Notstandes der schlesischen Weber bestimmten einhundertundachtunddreißig Taler habe ich der Königlichen Regierung zu Liegnitz zur geeigneten Verwendung zugestellt. — Indem ich Euer Wohlgeboren hiervon ganz ergebenst in Kenntnis setze, kann ich es mir nicht versagen, Ihnen namens unserer schlesischen Mitbrüder meinen aufrichtigsten Dank dafür abzustatten, daß Sie diesen mit Ihrem Talente bereitwillig zu Hilfe gekommen sind und ihnen eine so reichliche Beisteuer erwirkt haben.
Koblenz, den 10. April 1844
Der Ober-Präsident der Rheinprovinz, Schaper
An den Herrn Dr. Karl Grün Wohlgeboren in Köln
Erste Beilage zu Nr. 90 priviligirten Schlesischen Zeitung
27. April 1844
Langenbielau, 23. April. Gestern nachmittag hat der hiesige Weber und Landwehr-Unteroffizier Wilh. Krause in Abwesenheit seiner Frau sein zweijähriges Kind durch Zuhalten des Halses erwürgt und sich dann selbst aufgehängt. Nahrungslosigkeit machte den Unglücklichen zum Verbrecher.
Illustrirte Zeitung (Leipzig)
Nr.49 1. Juni 1844
Das alte und das neue System der Fabrikation
Bei der fortgesetzten Aufmerksamkeit, welche die Entwicklung der Industrie von jedem in Anspruch nimmt, der nicht bloß das Wesen der Erscheinungen nach deren Oberfläche beurteilt und der begreift, daß Deutschland nicht eher eine industriell bedeutende Nation werden kann, als bis es, wie England und Franreich, praktisch beurteilend und handelnd auftritt und aufhört, seine Stunden nur tiefsinnig, hochpoetisch oder stillgemütlich hinter buntgemalten Fensterscheiben oder in süßer Waldeinsamkeit oder am traulichen Herde zu verträumen, ist es wohl am Orte, darauf hinzudeuten, daß es zwei sehr voneinander verschiedene Systeme der Fabrikation gibt, welche recht scharf ins Auge gefaßt sein wollen, wenn man in irgendeinem bestimmten Falle ein richtiges Urteil fällen will. Ganz Deutschland wird gegenwärtig von der Not der Spinner und Weber im schlesischen Gebirge, wie im vorigen Jahr von der der Strumpfwirker, Weber und Klöppler im Erzgebirge, bewegt, und zu leicht geneigt ist der Menschenfreund, auf Beschäftigungen, welche solche große Not zulassen, einen streng richtenden Blick zu werfen und das Fabrikwesen im allgemeinen als die Quelle aller beklagenswerten Volksübelstände zu betrachten. Nichts kann aber ungerechter sein als diese Ansicht. Die Nachlässigkeit in der Feststellung der Begriffe und deren Bezeichnungen hat es veranlaßt, daß man mit dem Ausdruck Fabrik und Fabrikwesen alle und jede größere sich irgendwo entfaltende Gewerbetätigkeit belegt. Man irrt aber hierin sehr. Die großen Ansammlungen von einzelnen in ihren eigenen Wohnungen arbeitenden Webern, Strumpfwirkern, Klöpplerinnen, Posamentierern, Metall- und Holzarbeitern, wie sie in Deutschland in Städten und Dörfern, sogenannten Fabrikdörfern und Fabrikstädten, wohnen, werden ganz uneigentlich mit dem Namen Fabriken, und diejenigen Kaufleute, welche die Erzeugnisse jener kleinen Gewerbetreibenden für den größeren Markt zusammenkaufen, ebenso ungehörig mit dem Namen Fabrikanten belegt. Es ist begreiflich, daß unbemittelte Weber, Strumpfwirker, welche bloß von ihrer Hände Arbeit leben, nicht viel Zeit darauf verwenden können, ihr Gewebe und Gewirke zu verkaufen, das sie über den unmittelbaren Ortsbedarf liefern, weil ihre Zahl nicht wie die ihrer Brüderhandwerker, der Fleischer, Bäcker, mit der Ortseinwohnerzahl im Gleichgewicht steht. Daher bildete sich aus dem Bedürfnis heraus unter den Unternehmenderen des Gewerbes eine Klasse von Leuten, welche den Arbeitenden das Erzeugnis abkaufen und es auf Reisen, Märkten und Messen vertreiben. Dieses Geschäftsverhältnis besteht noch überall da, wo, durch irgendwelche Umstände begünstigt, große Ansammlungen von unabhängigen Arbeitern ein und desselben Gewerbes sich vorfinden, so unter anderm bei der Flachshandspinnerei, der Weberei und Strumpfwirkerei. Die große Konkurrenz aber, die unter den kleinen Händlern mit den Gewerbeprodukten, bei der Neigung, die eintönige Arbeit mit der freieren Bewegung beim Kauf und Wiederverkauf zu vertauschen, entstand, rief in notwendiger Folge eine dritte Klasse von Geschäftsleuten hervor, welche den kleinen Händlern, die somit zu Vorkäufern, Verlegern wurden, die Waren abnahmen und nun einen ausgebreiteten Handel damit trieben, was ihre kleineren Kollegen zu tun nicht vermochten. — Auf ganz anderer geschichtlicher Entwicklung beruht aber das moderne Fabrikwesen, wie es sich zuerst in England, dann in Frankreich und endlich in Deutschland ausgebildet hat, das Faktoreisystem oder das System der geschlossenen Etablissements genannt. Während das alte ursprüngliche Manufaktursystem einzelner voneinander unabhängiger und höchstens nur durch die beengenden Bande von Innungen zusammenhängender Arbeiter auf den unermütlichen Fleiß und die Geschicklichkeit der Menschenhand, auf die größtmögliche Verminderung der Bedürfnisse sowie auf die Regsamkeit spekulierender Verkäufer, Händler und Kaufleute gewiesen ist, stützt sich das neue Fabriksystem auf Maschinenkraft, auf die Fortschritte in den Künsten und Wissenschaften, auf die geistige Befähigung des Arbeiters, mit der er die Maschine zu behandeln und zu beaufsichtigen versteht. Jeder Unbefangene wird daraus mit einem Blicke erkennen, daß da, wo das Fabriksystem großer geschlossener Gewerbsanstalten mit dem Manufaktur- Handelsbetrieb zerstreut wohnender Handarbeiter in Mitbewerbung tritt, letzterer auf die Dauer schlechterdings keine Hoffnung hat zu bestehen, wenn er auch zeitweilig mit noch so großer Anstrengung und Unterwerfung unter materielle Entbehrung gegen seinen Verfall ankämpft. Aus diesem Zusammenstoß des Alten mit dem Neuen erklärt sich zum Teil die beginnende und fortschreitende Zerrüttung mancher unserer Handgewerbe, namentlich der Handspinnerei und Weberei, der Spitzenfabrikation. Die Strumpfwirkerei, nur infolge vorübergehender Konjunkturen darniederliegend, hat sich schon wieder erhoben. Im Gegensatz zu jenem Verhältnisse schreibt sich die Blüte unserer Zeugdruckerei, unserer Tuchmanufaktur von dem Erfassen des Fabriksystems her. Riesig würden auch unsere Maschinenspinnereien emporwachsen und einen sehr großen Teil der bei den Handgewerben vorkommenden Menschen in sich aufnehmen, wenn Erfindungskraft, Geist, Unternehmungslust und Kapital einen Schutz gegen die höchst ausgebildete, unter den günstigsten Verhältnissen arbeitende englische Spinnerei erhalten könnten. Nur allein in der vollkommensten Durchbildung des auf Maschinen- und Menschengeisteskraft gegründeten, vom Kapital durchfluteten modernen Fabriksystems ist der fortschreitenden Verarmung und Verkümmerung unserer Arbeiterbevölkerung Einhalt zu tun. Man fürchte keine Abhängigkeit des Menschen Ion der Maschine und der Macht des Kapitals: Denn tot ist die Maschine ohne den belebenden Geist des Menschen und unfruchtbar das Kapital ohne seine Tätigkeit, daher sind Maschine und Kapital, Menschenkraft und Geist ewig unzertrennlich abhängig voneinander. Es ist eine Anklage, welche die genauesten Erhebungen als falsch erwiesen haben, daß die Fabrikarbeiter physisch und moralisch gedrückt sind und ihre Gesundheit untergraben wird, während tägliche Tatsachen uns die schmerzliche Überzeugung in die Hand geben, welcher Jammer und welche Not in den Hütten des armen Spinners und Webers herrscht, der wohl unabhängig von der Maschine, aber nicht unabhängig von seinen Lebensbedürfnissen ist. Wir haben durch diese Feststellung der unterscheidenden Merkmale des alten und neuen Arbeitssystemes unsere Leser nur auf den Standpunkt zu führenunternommen, von wo aus sie eine klare Aussicht haben in das Getriebe der industriellen Bewegungen unseres Zeitalters, welche nicht minder in politische als in soziale Fragen der Gegenwart hinüberspielen. Kurz zusammengefaßt befindet sich der Arbeiter wohl, wo Kunst und Wissenschaft in Verbindung mit dem Kapital sich vereinigt haben, ihm die schweren Arbeiten abzunehmen und nur die höhere Tätigkeit seines Geistes zu beanspruchen, oder wo die Art und Weise der Arbeiten durchaus die Kunstfertigkeit der menschlichen Hand, des wunderbaren Werkzeugs, erheischt. Überall aber, wo Vorurteil, Eigensinn, Stumpfsinn und Unkenntnis den ungleichen Kampf der rohen Körperkraft mit dem Geiste fortsetzen, wo man sich wider die Segnungen sträubt, welche Kunst und Wissenschaft den Menschen aus ihrem reichen Füllhorn bieten, da werden Jammer und Elend sich unausbleiblich einstellen.