Textilien 1800 — 2012

Handweb­stuhl Bau­jahr 1844, Tex­til­mu­seum Heltau (Rumänien), Foto Lutz Kro­neberg 2010. Aus kleinen Anfän­gen zu Beginn des 19. Jahrhun­derts wer­den in weni­gen Jahrzehn­ten Groß­be­triebe und Indus­trieim­pe­rien. Die Tex­tilin­dus­trie muss sich bere­its in ihren Anfän­gen ras­an­ten tech­nis­chen und wirtschaftlichen Verän­derun­gen des Welt­mark­tes stellen.

Diese Home­page untern­immt eine Zeitreise durch die Geschichte der Tex­tilin­dus­trie in Deutsch­land, Europa und der Welt. Aus kleinen Anfän­gen begin­nen um 1800 rührige Unternehmer, Han­delshäuser für Gewebe zu entwick­eln. In Schle­sien gehören dazu Unternehmer­fam­i­lien wie Hilbert und Andret­zky, Wagenknecht, Zwanziger, Kram­sta und Dierig. Einige von ihnen entwick­eln sich zu großen Tex­tilun­ternehmen, wie z.B. Kram­sta und Dierig, Zwanziger besteht immer­hin bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhun­derts. Dierig kann sich Ende der Zwanziger Jahre als größtes Tex­tilun­ternehmen Europas mit ca. 15.000 Beschäftigten beze­ich­nen. Nach dem Ver­lust der schle­sis­chen und ost­deutschen Pro­duk­tion­san­la­gen gelingt Dierig in der Bun­desre­pub­lik ein ras­an­ter Wieder­auf­bau mit Pro­duk­tion­sstät­ten im All­gäu, in Bocholt und Rheine. Die Zen­trale des Unternehmens ist nun in Augs­burg. 1972 wirbt Dierig zu den Olymp­is­chen Spie­len mit dem Slo­gan “Dierig zieht die Welt an”.

 

 

 

Bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhun­derts hiel­ten sich in Deutsch­land Arbeits­for­men der Hauswe­berei in vorindus­trieller Produktionsweise.

Seit 1945 leitet die Fam­i­lie das Tex­tilimperium von Augs­burg aus. Lan­gen­bielau wurde zu Bielawa, Peter­swal­dau zu Pieszyce. In der sech­sten Gen­er­a­tion ist das Unternehmen weit­er­hin am Markt tätig, allerd­ings nicht mehr als Pro­duzent, son­dern — wie zu den Anfän­gen — als Han­delshaus für Tex­tilien. Allein durch die Dauer seiner Mark­t­präsenz, durch seine zeitweise sehr starke Stel­lung , aber auch durch ein beson­deres Gefühl für das Weben und für die Stoffe, und nicht zuletzt auch für die sozialen Belange der Arbeiter und Angestell­ten, gehört die Fam­i­lie Dierig zu den großen Unternehmer­dy­nas­tien in Deutsch­land. Dem kann auch nichts anhaben, dass Ger­hart Haupt­mann in seinem Drama “Die Weber. Schaus­piel aus den vierziger Jahren” 1892 das Han­delshaus Dierig mehr oder weniger klausuliert auftreten lässt. Der Nat­u­ral­ist Haupt­mann recher­chierte zwar fleißig für sein Drama, reiste auch in die schle­sis­chen Weber­re­gio­nen, sah dort aber nur, was ihm für sein Drama zu passen schien. Die ras­ante Entwick­lung von der Hauswe­berei zu einer Tex­tilin­dus­trie — in Lan­gen­bielau um 1890 augen­fäl­lig — inter­essierte ihn nicht.

Textilwerk Bielbaw in Bielawa, vormals Dierig´sche Textilwerke, Foto 3/2008, Lutz Kroneberg

Tex­til­w­erk Biel­baw in Bielawa, vor­mals Dierig´sche Tex­til­w­erke, Foto 3/2008, Lutz Kroneberg

Die Entwick­lung der Tex­tilin­dus­trie von ihren frühen Anfän­gen bis zu ihrem Ende kann heute immer noch anschaulich in Bielawa und Pieszyce beobachtet wer­den. Wichtige Sta­tio­nen der Weber-Revolte 1844 kön­nen heute in über­raschen­der Authen­tiz­ität nachvol­l­zo­gen wer­den, die prächti­gen Villen der Fab­rikan­ten und Unternehmer­fam­i­lien sind zahlre­ich erhal­ten, teils ren­oviert und neuen Nutzun­gen, z.B. als Hotel, zuge­führt. Die Tex­til­fab­riken, die ab etwa 1860 ent­standen und später als einzelne Anlage bis zu 6.000 Men­schen Arbeit gaben, sind heute als nicht min­der beein­druck­ende Industrie-Denkmale zu besichti­gen, in denen nur in ganz geringem Maß oder nicht mehr pro­duziert wird. Doch Abriss und Ver­fall der Tex­til­fab­riken schre­iten zügig voran.

Für Deutsch­land und Polen bietet das Thema die Möglichkeit, einen wichti­gen Abschnitt gemein­samer Geschichte gemein­sam zu erar­beiten und zu bewahren.