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Der Aufstand in Langenbielau (Bielawa) und Peterswaldau (Pieszyce) dauerte vom 3. bis zum 6. Juni 1844. Das überschaubare historische Ereignis ist bestens dokumentiert in Gerichtsakten aus dem Prozess gegen die aufständischen Weber. Die Akten bieten die seltene Gelegenheit, eine homogene Gruppe von Webern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in ihrem Denken, Handeln und sozialen Status zu beschreiben, einschliesslich ihres Gesundheitszustandes und ihrer Kleidung. Dazu sind aus den Akten ca. 360 Blatt zu transkribieren. Mit der Arbeit wurde im Oktober 2008 begonnen. Die Fertigstellung soll bis Mitte 2011 erfolgen. Damit wird die Publikation "Weber-Revolte 1844" aus dem Jahr 1979 von Kroneberg/Schloesser um den bereits damals avisierten dokumentarischen zweiten Teil ergänzt und abgeschlossen.

 

Chronologie 


Vor dem Aufstand der schlesischen Weber in Langenbielau und Peterswaldau *

11. Januar 1844

In Langenbielau beschweren sich Weber darüber, dass Fabrikanten auswärtige Weber beschäftigen, die zu geringeren Löhnen als die Bielauer Weber arbeiten.

Am 11. und 12. Januar sammeln einige Weber im Dorf Unterschriften für eine Bittschrift an den Landrat von Prittwitz-Gaffron. Unter den sechs Webern, welche die Bittschrift am 13. Januar überreichen, befinden sich die Weber Rohleder, Rauer und Hörler. (Vgl. unter den Gefangenen und Verurteilten des Aufstandes auf dieser Hompepage unter „Weber-Revolte“ und „Gerichtsakten“

29. Januar 1844

Die Weber Rohleder und Rauer beschliessen, alle Weber, welche die Bittschrift unterschrieben haben, aufzufordern, mit ihnen zu den Fabrikanten zu gehen und dort zu fordern, nur Webern aus Langenbielau Arbeit zu geben. Rohleder zieht seine Infanterie-Uniform an, Rauer bläst mit einem Signalhorn Infanterie-Signale, was unter den Einwohnern Aufsehen erregt. Im Kretscham Langenbielaus soll der Weber Döring äussern, dass „binnen 24 Stunden ganz Bielau mobil“ sei. Es soll zu Verabredungen kommen, die Anlagen in Bielau zu zerstören, wobei mit der Dierig´schen Anlage, wo sich einige Jacquard-Webstühle in der Erprobung befanden, begonnen werden solle.

 

Innenminister von Arnim erfuhr von den Januarunruhen in Langenbielau erst nach dem Juniaufstand. Duncker vernimmt Webermeister Rischer, bei dem der Weber Rauer beschäftigt war. Rischer sagt aus, dass Rauer ihm auf die Frage, was denn diese Aktionen bezwecken sollten, geantwortet habe: „Wir sorgen dafür, daß es mit den Webern anders werden soll. Wir wollen erstens Ausschließung aller auswärtigen Weber, zweitens Erhöhung des Lohnes für uns selbst und dritten Abschaffung der Klassensteuer.“ Auf Rischers Einwand, er habe doch Arbeit und solle sich um solche Dinge nicht kümmern, antwortete Rauer: „Darauf kommt es nicht an; ich tue es des allgemeinen Menschenwohls wegen.“

Nach Aussage des Webers Burghardt, der im Juniaufstand eine aktive Rolle spielt, sind die Ereignisse im Januar 1844 in Langenbielau ein mißglückter Aufstandsversuch.

Im Februar 1844 steigt die Arbeitslosigkeit, die Löhne sinken. Am 20. April protestieren zwei Weber des Fabrikanten Hoferichter in Peterswaldau gegen ihre Entlassung. Mehrere Weber schliessen sich ihnen an. Es kommt zu einem Protestzug. Die beiden Weber werden festgenommen und zum Schloßgefängnis abgeführt. Demonstranten erzwingen aber die Freilassung der beiden.

 20. April 1844

Es geht das Gerücht um, bei dem Fabrikanten Kramsta in Freiburg sei es zu einem Aufstand der Weber gekommen und alle Fabrikationsanlagen von Kramsta seien zerstört worden.

Nach dem Juniaufstand erklärt der Majoratsherr von Langenbielau, Graf von Sandretzky-Sandraschütz, seit Anfang der vierziger Jahre hielten die Gemeinden Zeitungen und legten diese in den Wirtshäusern aus. Sie seien fleissig von den Webern gelesen worden und dann mündlich unter den Webern, die nicht lesen konnten, weiter verbreitet worden.

Frühjahrsmesse Leipzig 1844

Die Pfarrer Schneider und Keitel in Peterswaldau wenden sich gegen die Fabrikanten, die da reich würden vom Schweiße der Armen und sich große Paläste bauten. Die beiden Pfarrer regen die Kirchgänger zu der Überlegung an, ob die Reichen ihr Eigentum rechtmäßig erworben hätten.

Die Gebrüder Dierig schreiben an Landrat von Prittwitz-Gaffron: „... Infolgedessen sind eine Menge Leute brotlos geworden, größtenteils faule, saumselige, mit einem Wort liederliche Menschen, echte Proletarier, die es sich zur Aufgabe zu machen scheinen, gute und brave Leute zu beunruhigen, Unzufriedenheit, Aufruhr usw. anzustiften, ja sogar bestehenden Gesetzen der Behörden sich zu widersetzen.“ Die Dierigs fordern energisches Einschreiten der Behörden und Bestrafungen der Unruhestifter.

Frühjahr 1844

Als Normallohn für 140 Ellen Kattun (9 Arbeitstage) wurden im Februar 1844 32 Silbergroschen bezahlt. Der Fabrikant Zwanziger drückt den Lohn für 150 bis 160 Ellen Kattun auf 12 Silbergroschen. Er würde 300 weitere Weber annehmen, wenn diese für 10 Silbergroschen arbeiten wollten. Auf den Messen in Frankfurt/Oder und Leipzig verkauft Zwanziger aufgrund seiner niedrigen Einstandspreise seine Stoffe weit schneller als seine Peterswaldauer und Langenbielauer Konkurrenz. Daraufhin senken auch die übrigen Fabrikanten die Löhne.

Mai 1844

 

Das Blutgericht“ wird in Peterswaldau bekannt und verbreitet sich blitzschnell in dem Ort. Der Weber Geburtig berichtet später, dass er das Lied nach Ostern mit etwa 15 Weberburschen erstmals auf dem Kapellenberg gesungen habe

3. Juni 1844

Am Abend des 3. Juni versammeln sich 20 Webergesellen auf dem Feld am Kapellenberg, ein beliebter und traditionsreicher Versammlungsort. Sie singen „Das Blutgericht“ und beschliessen, vor das Wohnhaus Zwanzigers zu ziehen und dort „Das Blutgericht“ zu singen. Sie werden von Zwanzigers Leuten angegriffen, der Weber Mäder wird festgehalten und der Ortspolizei übergeben, die ihn in das Polizeigefängnis auf dem Schloßhof des Grafen von Stolberg-Wernigerode einsperrt. Die Weber Geburtig und Eibner sammeln sich mit den übrigen vor dem Haus des Fabrikanten Wagenknecht und besprechen die Aktionen für den nächsten Tag. Es sollen Weber aus Nieder-Peterswaldau kommen, um gemeinsam den Webergesellen Mäder zu befreien. Danach soll zu Zwanziger gezogen werden, um Lohnerhöhung zu fordern. Mehrere Maurer versprechen den Webern Unterstützung.

 

 

* Die hier dargestellte Chronologie der Ereignisse des Jahres 1844 unter den Webern von Langenbielau und Peterswaldau folgt der unveröffentlichten Dissertation


Heinrich Waldmann: Unruhen unter den schlesichen Webern 1794 – 1844, Halle 1990 (Signatur 1990/284 im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem)


 


 

 

 

 

 

Mai 1844

  

 

 

 

 

 

 

Der vom preußischen Innenminister nach der Juni-Revolte mit einer Untersuchung beauftragte Polizeidirektor Duncker stellt fest, dass die Weber Rabe und Rauer bereits um Weihnachten 1843 Unterschriften unter den Webern gesammelt haben, wer sich an einem Aufstand beteiligen würde. Mit dem Aufstand sollte begonnen werden, sobald 200 Weber ihre Teilnahme versichert hätten.