29. Januar 1844
Die Weber Rohleder und Rauer beschliessen, alle Weber, welche die Bittschrift unterschrieben haben, aufzufordern, mit ihnen zu den Fabrikanten zu gehen und dort zu fordern, nur Webern aus Langenbielau Arbeit zu geben. Rohleder zieht seine Infanterie-Uniform an, Rauer bläst mit einem Signalhorn Infanterie-Signale, was unter den Einwohnern Aufsehen erregt. Im Kretscham Langenbielaus soll der Weber Döring äussern, dass „binnen 24 Stunden ganz Bielau mobil“ sei. Es soll zu Verabredungen kommen, die Anlagen in Bielau zu zerstören, wobei mit der Dierig´schen Anlage, wo sich einige Jacquard-Webstühle in der Erprobung befanden, begonnen werden solle.
Innenminister von Arnim erfuhr von den Januarunruhen in Langenbielau erst nach dem Juniaufstand. Duncker vernimmt Webermeister Rischer, bei dem der Weber Rauer beschäftigt war. Rischer sagt aus, dass Rauer ihm auf die Frage, was denn diese Aktionen bezwecken sollten, geantwortet habe: „Wir sorgen dafür, daß es mit den Webern anders werden soll. Wir wollen erstens Ausschließung aller auswärtigen Weber, zweitens Erhöhung des Lohnes für uns selbst und dritten Abschaffung der Klassensteuer.“ Auf Rischers Einwand, er habe doch Arbeit und solle sich um solche Dinge nicht kümmern, antwortete Rauer: „Darauf kommt es nicht an; ich tue es des allgemeinen Menschenwohls wegen.“
Nach Aussage des Webers Burghardt, der im Juniaufstand eine aktive Rolle spielt, sind die Ereignisse im Januar 1844 in Langenbielau ein mißglückter Aufstandsversuch.
Im Februar 1844 steigt die Arbeitslosigkeit, die Löhne sinken. Am 20. April protestieren zwei Weber des Fabrikanten Hoferichter in Peterswaldau gegen ihre Entlassung. Mehrere Weber schliessen sich ihnen an. Es kommt zu einem Protestzug. Die beiden Weber werden festgenommen und zum Schloßgefängnis abgeführt. Demonstranten erzwingen aber die Freilassung der beiden.
20. April 1844
Es geht das Gerücht um, bei dem Fabrikanten Kramsta in Freiburg sei es zu einem Aufstand der Weber gekommen und alle Fabrikationsanlagen von Kramsta seien zerstört worden.
Nach dem Juniaufstand erklärt der Majoratsherr von Langenbielau, Graf von Sandretzky-Sandraschütz, seit Anfang der vierziger Jahre hielten die Gemeinden Zeitungen und legten diese in den Wirtshäusern aus. Sie seien fleissig von den Webern gelesen worden und dann mündlich unter den Webern, die nicht lesen konnten, weiter verbreitet worden.
Frühjahrsmesse Leipzig 1844
Die Pfarrer Schneider und Keitel in Peterswaldau wenden sich gegen die Fabrikanten, die da reich würden vom Schweiße der Armen und sich große Paläste bauten. Die beiden Pfarrer regen die Kirchgänger zu der Überlegung an, ob die Reichen ihr Eigentum rechtmäßig erworben hätten.
Die Gebrüder Dierig schreiben an Landrat von Prittwitz-Gaffron: „... Infolgedessen sind eine Menge Leute brotlos geworden, größtenteils faule, saumselige, mit einem Wort liederliche Menschen, echte Proletarier, die es sich zur Aufgabe zu machen scheinen, gute und brave Leute zu beunruhigen, Unzufriedenheit, Aufruhr usw. anzustiften, ja sogar bestehenden Gesetzen der Behörden sich zu widersetzen.“ Die Dierigs fordern energisches Einschreiten der Behörden und Bestrafungen der Unruhestifter.
Frühjahr 1844
Als Normallohn für 140 Ellen Kattun (9 Arbeitstage) wurden im Februar 1844 32 Silbergroschen bezahlt. Der Fabrikant Zwanziger drückt den Lohn für 150 bis 160 Ellen Kattun auf 12 Silbergroschen. Er würde 300 weitere Weber annehmen, wenn diese für 10 Silbergroschen arbeiten wollten. Auf den Messen in Frankfurt/Oder und Leipzig verkauft Zwanziger aufgrund seiner niedrigen Einstandspreise seine Stoffe weit schneller als seine Peterswaldauer und Langenbielauer Konkurrenz. Daraufhin senken auch die übrigen Fabrikanten die Löhne.
Mai 1844
„Das Blutgericht“ wird in Peterswaldau bekannt und verbreitet sich blitzschnell in dem Ort. Der Weber Geburtig berichtet später, dass er das Lied nach Ostern mit etwa 15 Weberburschen erstmals auf dem Kapellenberg gesungen habe
3. Juni 1844
Am Abend des 3. Juni versammeln sich 20 Webergesellen auf dem Feld am Kapellenberg, ein beliebter und traditionsreicher Versammlungsort. Sie singen „Das Blutgericht“ und beschliessen, vor das Wohnhaus Zwanzigers zu ziehen und dort „Das Blutgericht“ zu singen. Sie werden von Zwanzigers Leuten angegriffen, der Weber Mäder wird festgehalten und der Ortspolizei übergeben, die ihn in das Polizeigefängnis auf dem Schloßhof des Grafen von Stolberg-Wernigerode einsperrt. Die Weber Geburtig und Eibner sammeln sich mit den übrigen vor dem Haus des Fabrikanten Wagenknecht und besprechen die Aktionen für den nächsten Tag. Es sollen Weber aus Nieder-Peterswaldau kommen, um gemeinsam den Webergesellen Mäder zu befreien. Danach soll zu Zwanziger gezogen werden, um Lohnerhöhung zu fordern. Mehrere Maurer versprechen den Webern Unterstützung.
* Die hier dargestellte Chronologie der Ereignisse des Jahres 1844 unter den Webern von Langenbielau und Peterswaldau folgt der unveröffentlichten Dissertation
Heinrich Waldmann: Unruhen unter den schlesichen Webern 1794 – 1844, Halle 1990 (Signatur 1990/284 im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem)
Mai 1844