In der Presse

Eine kom­men­tier­freudige Presse wid­met schon Anfang 1844 ihre Aufmerk­samkeit einer sozialen Erschei­n­ung: Der Masse­n­ar­mut unter den Webern und Spin­nern. Das Phänomen ist neu: Trotz angestrengter Arbeit bleibt den Spin­nern und Webern kaum das Nötig­ste zum Leben. Doch nicht allen geht es so. Den Baum­woll­we­bern geht es besser, weil baum­wol­lene Stoffe eine Inno­va­tion darstellen und vom Markt bevorzugt wer­den. Einige wenige Tex­til­han­delshäuser wis­sen, dass in Eng­land Spinn– und Web­maschi­nen entste­hen. Auf nicht immer legalem Weg wird die tech­nis­che Inno­va­tion nach Deutsch­land geholt. Es wird aber fast 20 Jahre dauern, bis sich die neue Tech­nik in Deutsch­land durch­setzt. Leinen­we­ber sind 1844 beson­ders schlecht dran. In den Tex­til­fab­riken entste­hen ab 1850 Tausende von Arbeit­splätzen. Das Weber-Dorf Lan­gen­bielau wird zu einem Zen­trum der deutschen Tex­tilin­dus­trie. Die aber­tausenden Heimwe­ber bilden Mitte des 19. Jahrhun­derts ein ide­ales Arbeit­skräftereser­voir für die sich schnell entwick­el­nde indus­trielle Fer­ti­gung von Tex­tilien. Die Ver­leger wer­den zu Unternehmern. Aus dem ehe­ma­li­gen Han­delshaus der Gebrüder Dierig in Lan­gen­bielau wird inner­halb von 70 Jahren Europas größtes Tex­tilun­ternehmen mit etwa 15.000 Beschäftigten.